District 9

district9

Worum es in District 9 geht, dürfte sich vermutlich mittlerweile rumgesprochen haben, deswegen an dieser Stelle nur schnell ein Satz dazu: In einem Johannesburger Slum lebende Außerirdische sollen, da von der Bevölkerung nicht mehr geduldet, umgesiedelt werden, wobei es zu gewissen Komplikationen kommt. Außerdem hier nochmal ein Trailer:

Der Plot hat mich fasziniert, seit ich das erste Mal davon gehört habe. Realistisch gemachte Science-Fiction mit einer Prise Sozialkritik? Fuck yeah! Allerdings war ich dann doch etwas überrascht, dass sich die Apartheid-Thematik fast nur über das erste Drittel des Filmes erstreckt hat, das auch bewusst im wackeligen Doku-Stil à la REC oder Cloverfield gedreht ist, d.h. die Charaktere agieren mit dem Menschen hinter der Kamera. Danach ist die Kamera nur noch wackelig, also nicht in die Handlung intergriert, etwa wie bei Children of Men. Ich persönlich liebe das ja, aber ich kenne auch viele, die so was stört. Jedenfalls wandelt sich District 9 nach und nach von der Doku zum typischen Hollywood-Actionfilm, gerade das Finale ist ein einziger Wumms. Allerdings fühlte ich mich davon nicht genervt, wie das zum Beispiel bei Transformers der Fall war.

Die große Stärke des Films ist, dass seine ziemlich ungewöhnliche Grundidee überzeugend umgesetzt wurde: Die sehr gut animierten Aliens scheinen wirklich ins alltägliche Leben der Menschen integriert worden zu sein; sie verstehen sie, handeln mit ihnen – aber plündern und randalieren auch, was für sie normal, für die Menschen aber unverständlich ist. Das wird anhand von anfangs eingeblendeten Interviews deutlich. Interessant finde ich hier auch den Aspekt, dass den Menschen vor allem daran gelegen ist, die Funktionsweise der außerirdischen Waffen herauszubekommen, als die Situation der Bewohner des District 9 zu verbessern.

Hauptfigur des Films ist Wikus van de Merwe – überzeugend gespielt von Sharlto Copley –, der anfangs noch gegen die Aliens vorgeht, später dann aber aufgrund eines Vorfalls im District gezwungen ist, seinen Standpunkt zu ändern – auf sehr radikale Art und Weise. Das Einzige, was mich an ihm stört, ist seine naive deutsche Synchronstimme, aber dafür kann ja der Herr Copley nichts😉

Was ich erst durch Wikipedia erfahren habe: District 9 basiert auf einem von selben Regisseur gedrehten Kurzfilm namens Alive in Joburg. Dort wird auch der Rassentrennungsaspekt deutlicher, denn:

Alle der befragten Personen im Film wurden nach ihrer Meinung zu der Flüchtlingswelle aus Simbabwe befragt, dieser Teil wurde allerdings im Film rausgeschnitten, deshalb erhält man den Eindruck die Personen würden über die Außerirdischen reden.

In District 9 wird der Bezug zur südafrikanischen Apartheid vor allem durch die Isolation der Außerirdischen von den übrigen Johannesburgern deutlich, außerdem durch die (im Rahmen der Marketingkampagne auch bei uns öfter anzutreffenden) For-Humans-Only-Schilder und ihre Stellung gegenüber den Menschen: Obwohl sie nicht minder intelligent sind, wird über ihre Köpfe hinweg über sie bestimmt; Protest wird mit Gewalt seitens der Menschen beantwortet.

Mein Fazit: District 9 ist ambitioniert, wendungsreich und tiefgründig und für mich neben dem hier bereits angesprochenen Children of Men der bisher realistischste Science-Fiction-Streifen, der dem Genre eine frische Note gibt, die es nach glatt geleckten Action-Orgien wie Tranformers (auch das muss ich hier nochmal anführen) einfach nötig hatte. Prädikat: wertvoll!

(Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass die Aliens im Film gewisse Ähnlichkeiten mit Dr. Zoidberg haben?)

5 Responses to “District 9”


  1. 1 Dr. Borstel 20. September 2009 um 16:01

    Gerade diese Wandlung vom Politthriller zum Actionfilm ist das, was mich irgendwie davon abschreckt, mir den Film anzuschauen. Erinnert mich nämlich an „Operation Kingdom“ mit Jamie Foxx, der wirklich großartig begann und nachher zur unrealistischen Ballerorgie verflachte. Das hat mich so angekotzt, dass ich mich mittlerweile von sowas ziemlich schnell abschrecken lasse …

  2. 2 Christian 20. September 2009 um 16:17

    Stimmt, das hört man von vielen Seiten, dass der Richtungswechsel D9 nicht gut tut. Ich persönlich war nur etwas überrascht, gestört hats mich nicht😉

  3. 3 spanksen 20. September 2009 um 19:39

    Mich auch nicht, der Film war außergewöhnlich und hat mir sehr gut gefallen. Anschauen!

  4. 4 vetaro 22. September 2009 um 22:15

    Der Richtungswechsel ist genau das richtige.

    Hauptsächlich deshalb, weil der Film nicht zu Ballerorgien wird.

    Man könnte auch sagen, die Action wird nicht sinnlos reingehauen. Auch im Höhepunkt gibt es oft Minutenlang mal keine Action, sondern nur Suspense.

    Z.B. bei Transformers, oder auch X-Men, kommt Action halt so zustande: Die einen wollen wo hin, die anderen verhindern das. Und damit die action *mehr* wird, sind einfach mehr X-Men anwesend. Man hätte sie aber auch raus lassen können und es hätte trotzdem funktioniert.

    Bei D9 hat aber alle Action einen Zweck. Es sterben praktisch keine massenhaft reinstürmenden Redshirts. Wenn man eine Actionszene raus nähme, müsste man auch die vorhergehenden und kommenden 10 Minuten Plot rausnehmen.

  5. 5 Christian 24. September 2009 um 19:07

    Da stimm ich dir absolut zu, die Action am Ende kam wie gesagt vor allem überraschend, aber alles in allem war sie wirklich ziemlich stimmig inszeniert.


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