Avatar, oder: Die Krönung des Hypes

Ja, ich gebe es zu: Ich bin schon verdammt leicht zu begeistern. Wie oft ich hier im Blog schon in Freudentaumel ob großartiger Spiele oder CDs gefallen bin – man weiß es nicht. Deshalb wirkt es vielleicht auch etwas unglaubwürdig, wenn ich nun von Avatar schreibe und ihn als etwas unglaublich Großes bezeichnen werde. Aber glaubt mir, noch nie war ich mir einer Meinung so sicher wie heute!

Ich komme gerade aus dem Kino, der Popcorn-Mief haftet förmlich noch an mir und die Erinnerungen sind frisch und ungefiltert. Und ich möchte gleich mal vorwegnehmen: Avatar ist exakt das, was wir alle uns erhofft haben – und mehr. Unmöglich, mich an das letzte Mal zu erinnern, dass ich so begeistert aus dem Kino gegangen bin. Oder dass ich die ersten Filmminuten nur selig in mich hineingegrinst habe. Oder so tief in den Kinosessel gesunken bin. Ganz recht, ich schwafle gerade ein wenig herum; aber nur, weil ich nicht weiß, wie ich damit anfangen soll, ein Sammelsurium an beschönigenden Adjektiven über diesen Film zu gießen. Vielleicht beginnen wir also einfach ganz vorn…

Auf dem Mond Pandora stürzt sich die Menschheit auf ein seltenes, immens gewinnbringendes Metall. Dabei stehen sich vor allem zwei Gruppen gegenüber: Die gewohnt skrupellosen Geschäftsleute mit ihren Söldnern und gigantischen Maschinen, und die Wissenschaftler, für die der naturbelassene, von exotischen Geschöpfen und humanoiden Ureinwohnern, den Na’vi, bevölkerte Planet ein wahrer Segen ist und die ihn vor allem vor der ersten Gruppe schützen wollen. Mit diesem Ziel vor Augen schaffen sie die so genannten Avatare, Geschöpfe aus menschlicher DNA und der der Na’vi, die vor allem als Medium zwischen den offensichtlich überlegenen Invasoren und den gefährdeten Pandorianern dienen solllen. Der im Rollstuhl sitzende Ex-Marine Jake Sully übernimmt die Rolle eines solchen Avatars – in erster Linie zufällig, da sein Bruder, dem diese Aufgabe zuteil werden sollte, unerwartet verstorben ist – und wird von einer Na’vi in das Leben auf Pandora eingeführt. Ist er anfangs noch bereit, seinen Vorgesetzten jedes dieser Details auszubreiten, beschleichen ihn nach und nach, je mehr er Teil der komplexen Gesellschaft der Na’vi wird, Zweifel, auf wessen Seite er nun steht…

Die Geschichte ist unglaublich hanebüchen und unoriginell. Weiß man die ungefähre Rahmenhandlung, kennt man im Grunde den Film und sein Ende. Gleiches gilt auch für den Plot, der vor Pathos, übertriebener Tragik und Hollywood-Kitsch geradezu trieft, und die Zeichnung der Charaktere, deren Motivation nicht immer klar oder einfach viel zu simpel ist. So etwas mag einigen Filmen das Genick brechen – bei Avatar ist das egal.

Denn was bei diesem Film zählt, sind nicht das Was oder das Warum, sondern es ist ganz einfach das Wie! Um das zu veranschaulichen, muss ich leider etwas ausholen: In der Philosophie wird dem Begriff des Staunens eine bedeutende Rolle übertragen, es ist der Grundstein und die Motivation der Wissensaneignung, laut Aristoteles zudem der Beginn des Philosophierens an sich.  Es ist zudem in erster Linie ein Prozess im Kindesalter; logisch denkenden, vermeintlich vernünftigen Erwachsenen begegnet er zunehmend seltener. Der Punkt ist nun, dass ich bei Avatar beinahe drei Stunden ununterbrochen am Staunen war. Das liegt ganz einfach daran, dass der Film gar nicht erst versucht, unglaubwürdig zu sein. Die Flora und Fauna Pandoras, die Na’vi, die Kriegsmaschinerie der Menschen – alles, wirklich alles strotzt nur so vor Liebe zum Detail und überlegener Animationstechnik. Kein Wunder also, dass der Mythos existiert, James Cameron habe diesen Film erst umsetzen wollen, wenn die richtige Technik dafür erfunden wäre.

Und was ist nun zum 3D zu sagen? Für mich gesprochen: Avatar ist der erste Film, den ich in 3D im Kino erlebt habe, demzufolge werde ich die, die ich danach sehen werde, mit ihm messen müssen. Und für die Allgemeinheit gesprochen gilt dasselbe. Bisher war es ja eher so, dass Filme für den 3D-Effekt gemacht wurden; dieser also Aufhänger für den Film selbst war. Zumindest hatte ich dieses Gefühl. Bei Avatar nun verhält es sich genau andersrum: 3D wurde quasi für Avatar gemacht, was sich jetzt natürlich blödsinnig hochtrabend anhört, es aber ziemlich genau auf den Punkt bringt. Nicht für unsinnige Spielereien wie einen Tennisball, der Richtung Kamera springt, nutzt Avatar die dritte Dimension, sondern um Pandoras Schönheit darzustellen und sie zu etwas beinahe Realem werden zu lassen. Hinzu kommt, dass 3D hier nicht nur das Vorhandensein eines Vorder- und eines Hintergrundes bedeutet, sondern für wirkliche Plastizität sorgt. Deshalb gebe ich auch den Ratschlag: Wollt ihr euch Avatar ansehen, dann spart nicht an Zeit oder Geld und fahrt ins nächste 3D-Kino. Dreidimensionalität ist hier kein Zusatz, sondern Teil des Gesamtwerks.

Was mich zuletzt noch sehr fasziniert hat, ist das, was unter der simpel gestrickten Handlung liegt: Cameron hat sich mehr als deutlich von der Geschichte der amerikanischen Ureinwohner inspirieren lassen. Damit meine ich vor allem die tief verwurzelte Spiritualität der Na’vi sowie ihre Erscheinung, die sich entfernt am etwas verklärten Bild des Noble Savage orientiert. Und als Gegenpart: Der zivilisierte Europäer, in diesem Fall der Mensch als Ganzes, der das begehrt, was den Ureinwohnern zusteht, für diese aber keinen Nutzen hat. Bei Avatar ist das jenes wertvolle Metall; in der Realität war es das Land, auf dem die Ureinwohner über Jahrhunderte lebten. Die Konsequenz solcher Begehren ist Krieg und Leid, das gilt für die Historie wie für den Film. Kann das jemand nachvollziehen?

Ach je, ich würde jetzt noch seitenweise Gedanken über Avatar in Einsen und Nullen bannen, wenn es denn nicht vollkommen unnötig wäre – ich müsste nur einmal auf den Punkt kommen! Und der ist in diesem Fall, dass mich dieser Streifen weggehauen hat wie kein anderer zuvor. Vielleicht ist die sofortige Hierarchisierung albern und unnötig, aber das ist mein Film des Jahres. Der letzten Jahre. Der Hype war in diesem Fall definitiv gerechtfertigt – Kino existiert für diese Art von Filmen!

Wer bis hierher durchgehalten hat, bekommt nun zur Entlohnung nochmal den Trailer, den ich mir die letzten Monate ungefähr zweitausendmal angeguckt habe:

Bilderquelle: avatar-derfilm.de

15 Responses to “Avatar, oder: Die Krönung des Hypes”


  1. 1 Laosüü 20. Dezember 2009 um 20:44

    Okeeeeeeeeee.
    Erstmal wirfst du ja wieder mit Fremdwörtern um dich.^^ Und was bitte hat dich dazu veranlasst, in die Philosophie abzuschweifen?! o.o

    Und schön bei wikipedia nachgeguggt. xD

    Aber auf jeden Fall sehr gut geschrieben. Daumen hoch.

  2. 3 Laosüü 20. Dezember 2009 um 21:15

    Tjaja, ich hab das Bedüfnis nicht. Denn ich tue es auch so. :p

  3. 4 Tobi 20. Dezember 2009 um 21:21

    Ich geb dir recht – der Film ist einfach genial. Aber vor allem auch wegen der Technik. Die Story ohne die Technik hätte vielleicht nicht sooo toll gewirkt. Wobei es schon was neues war und auch irgendwie passend zur aktuellen Klimalage.

  4. 6 Laosüü 20. Dezember 2009 um 22:02

    Amen!!!!!

    Aber zum Glück ist es ja nicht so.^^

  5. 7 Falle 21. Dezember 2009 um 13:34

    Huioi, welch exquisite Entgurgelung aus der Kehle des Sinnes der Äste!!!! Ich meinerseits kann dem nur zustimmen, was geschrieben wurde. Der Film ist unvergleichlich und setzt die Messlate für andere Filme deutlich hoch.
    Also das mit der Philosophie (und auch das mit dem Pathosgebrabbel), dass klingt ja richtig professionell! xD

    „Du warst ein guter Schüler, Padawan, ich bin sehr stolz auf dich!“
    Du kniest nieder und blickst auf, vor dir steht
    Meisterin HENNIG!!!! Ihre „Weisheit“ ist auf dich übergegangen.
    xD

    (du solltest dich in ner Redaktion bewerben)

  6. 9 spanksen 21. Dezember 2009 um 15:16

    Wow, jetzt steigerst du meinen Hype aber ins unermessliche, ich hoffe dir ist das klar? Wenn ich den Film jetzt nicht mehr gut finden sollte bist du schuld!😉

  7. 11 Laosüü 21. Dezember 2009 um 16:10

    Echt mal Christian!!!^^

    Die Falle ist auch hier?!^^ Allein schon an der Schreibweise zu erkennen. Aber er hat Recht: du musst ja anscheinend doch in Ethik aufgepasst haben; wolltst dich bei ihr einschleimen, häh? xD

    • 12 Christian 21. Dezember 2009 um 17:50

      Ich hoffe einfach mal, dass SIE nicht mitliest, also wollt ich mich garantiert nicht einschleimen ^^
      Und ich hab nicht in Ethik aufgepasst, ich habe darin ne Prüfung abgelegt, und irgendwie ist da vielleicht doch was hängen geblieben😛 Also Ruhe da!

  8. 13 Laosüü 21. Dezember 2009 um 20:03

    Du hast gar nix zu saaaaaagen! ^^
    Aber gut, lassen wir eben das Thema.😉

  9. 14 bullion 28. Dezember 2009 um 14:28

    Ja, dieser Kritik kann ich auch nichts mehr hinzufügen. Sehe ich ganz genauso.


  1. 1 AVATAR – Aufbruch ins quietschbunte Pandora « Ich Mein Ja Nur! Trackback zu 4. Januar 2010 um 16:54

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