Durchgezockt: Dead Space Extraction

Just in diesem Moment habe ich das letzte Kapitel von Dead Space Extraction beendet – und muss feststellen, dass ich dieses Mal nicht wirklich begeistert sein kann.

Enthält leichte Spoiler zu Dead Space und Dead Space Extraction!

Bei Dead Space Extraction für Wii handelt es sich um ein Prequel zum letztjährigen 360-, PS3- und PC-Titel Dead Space. Und – das ist wohl der größte Unterschied – es ist ein Railshooter; dem Spieler wird also die Möglichkeit genommen, sich frei in der Spielwelt zu bewegen. So weit, so gut.

Ich als großer Fan des Originals konnte um dieses Spin-Off natürlich nicht herumkommen, zumal ich mit Resident Evil: The Umbrella Chronicles bereits einen Railshooter für Wii besitze und mit ihm durchaus Spaß hatte. Und was eignet sich eigentlich besser als Weihnachtsgeschenk als ein Spiel, in dem man Horden von untoten Zombie-Aliens niedermetzelt? Ja, das Spiel besitze ich seit exakt zwei Tagen und habe es durch. Wie geht das?

Im Spiel übernehmt ihr die Rolle von verschiedenen Personen, die in die Ereignisse vor und während der Ausbreitung der Infektion in der Kolonie auf Aegis VII und an Bord der Ishimura invoviert sind. Das reicht von der Bergung des Markers bis zu den Minuten vorm Eintreffen der USG Kellion und damit des Helden des Originalspiels, Isaac Clarke. Und Kenner des Dead Space-Universums werden sofort einwerfen können: Das gabs doch schon mal! Genau, denn im ebenfalls eine Vorgeschichte erzählenden Animationsfilm Dead Space Downfall wird eine ähnliche Handlung verfolgt. Demzufolge gibts im Wii-Prequel nichts wirklich Neues für Kenner. Trotzdem lohnt sich der erneute Ausflug auf die Ishimura, denn die Inszenierung der mäßig spannenden Story ist wirklich erstklassig:

Wie üblich für einen Railshooter erlebt ihr die Handlung aus der Ego-Perspektive, aber anstatt sich auf das Ego einer einzigen Person zu beschränken, ändert sich der Blickwinkel des Spielers mit jedem neuen Kapitel – sei es, weil der Protagonist des vorherigen umkommt; sei es, um einen neuen Handlungsstrang einzuleiten, der dann wieder den Hauptstrang trifft. Das ist ziemlich gut gemacht und erinnert an die Erzählstruktur einiger Filme und Romane. Auch abgesehen davon ist die Inszenierung filmreif: Euer Charakter marschiert nicht wirklich on rails, auf Schienen, durch die Gegend, sondern bewegt sich doch ziemlich natürlich. Das heißt: Er läuft mal schneller, mal langsamer, zögert, sieht sich um, nickt – und so weiter. Die Interaktion zwischen den Figuren überzeugt übrigens auch, allerdings sollte man keine Über-Dialoge à la Tarantino erwarten.

Wenig zu begeistern vermag das Ende: Mal davon abgesehen, dass es irgendwie total nichtssagend ist und den finalen Schockmoment des Originals (schlecht) nachzuahmen versucht, ist es schon viel zu schnell erreicht. Natürlich weiß man so etwas, bevor man sich ein Spiel kauft und das war in diesem Fall bei mir nicht anders. Aber dass es dann schon so schnell vorbei wäre, hätte ich nicht gedacht. Wie gesagt: Ich nenne das Game seit genau zwei Tagen mein Eigen und habe den Story-Modus beendet, insgesamt geschätzte fünf bis sechs Stunden gebraucht. Sicher, ein Railshooter zieht seine Langzeitmotivation vor allem aus dem Multiplayer, der auch demnächst mal getestet wird – aber das ist wohl kein Argument für eine derart kurze Spieldauer. The Umbrella Chronicles war schließlich auch länger und The Darkside Chronicles ist es, glaube ich, auch. Zumindest langweilt Dead Space Extraction während der wenigen Stunden nicht, was ja auf irgendeine seltsame Weise doch wieder etwas Gutes ist.

An der Steuerung gibts erwarteterweise nichts auszusetzen; neben dem Knopf fürs Ballern gibt es noch welche für die aus dem Original bekannten Funktionen Kinese (Objekte zu sich ziehen, in Extraction vor allem fürs Einsammeln von Gegenständen konzipiert, nicht für lustige Ragdoll-Spielereien wie im Vorgänger) und Stase (Gegner und Objekte verlangsamen). Gewackelt wird auch ab und an mal – die Remote vornehmlich, um Gegner ab- und Knicklichter anzuschütteln; das Nunchuk für Melee-Attacken. Auch hier gibts also wenig Neues, aber auch kaum Schlechtes.

Die Technik des Spiels bekommt dann nochmal eine winzige Rüge, da ihr offensichtlich der Feinschliff fehlt. Die Grafik ist von schmerzhaft flackernden Schatten und groben Texturen abgesehen absolut akzeptabel, läuft aber alles andere als flüssig: Da reichen ein paar Gegner mehr auf dem Schirm und schon geht das Stocken los. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das an der Hardware der Wii liegt, bei The Umbrella Chronicles gings doch auch, um mal einen direkten Vergleich zu ziehen. Aber vielleicht sollte man das gar nicht.

So, was ist es denn nun: Empfehlung oder keine Empfehlung? Auf mich wirkt Dead Space Extraction letztlich vor allem wie ein Fan-Service seitens EA und Visceral Games: Das Gefühl, die aus dem Originalspiel bekannten Orte noch einmal und in einem anderen Zusammenhang besuchen zu können, ist für Fans wie mich einfach großartig. Vielleicht erklärt das auch die mageren Verkaufszahlen: Ohne Kenntnis des nicht für dieselbe Plattform erschienenen Vorgängerspiels findet man sicher wenig Gefallen an Extraction.

Ich jedenfalls hatte meinen Spaß mit dem Spiel und sehe es als kleinen Appetithappen vor dem Erscheinen der direkten Fortsetzung Dead Space 2, auf die ja in Extraction durch Erwähnen des Sprawl (eine dicht besiedelte Raumstation und wohl Setting des zweiten Teils) schon hingewiesen wird. Der Multiplayer wird ganz sicher nochmal ein anderes, sicherlich positiveres  Bild aufs Spiel werfen, wenn ich ihn denn hoffentlich bald mal antesten kann…

Bilderquelle: ign.com

1 Response to “Durchgezockt: Dead Space Extraction”


  1. 1 spanksen 28. Dezember 2009 um 18:01

    Thx für das Review, dann werde ich es mir doch mal aus dem Verleihshop zukommen lassen


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