Ljuben Dilow: Die Last des Skaphanders

Die raumfahrende Menschheit hat bereits einen großen Teil der Galaxis erforscht – intelligentem Leben ist sie nirgends begegnet. Da stößt ein Astrokreuzer auf ein System, das alle Anzeichen einer fortgeschrittenen Zivilisation aufweist.

Ein Beiboot […] wird ausgeschickt, um den Planeten näher zu erkunden und eine Kontaktaufnahme zu versuchen. Beim Anflug stoßen die Forscher auf einen psychischen Abwehrschirm, der gräßliche hypnotische Halluzinationen und Fluchtreflexe auslöst.

Die fremde Rasse ist nicht an einer Kontaktaufnahme interessiert. […]

(Klappentext der Erstausgabe im Heyne-Verlag von 1984)

Der bulgarische Autor Ljuben Dilow dürfte wohl den meisten unbekannt sein – leider existieren auch nur sehr wenige seiner Veröffentlichungen auf deutsch. Im Rahmen einer Facharbeit vor zwei Jahren las ich eine Sammlung von Kurzgeschichten Dilows mit dem Titel Der Doppelstern und war sofort Feuer und Flamme. Anders als etwa Stanislaw Lem (der seine phantastischen Werke ja stets mit einer wahren Fülle an Technikdetails zu versehen wusste) versteht es Dilow, seine Geschichten kurzweilig, spannend und doch mit einem gewissen Anspruch zu gestalten.

Das ist auch bei Die Last des Skaphanders so. In minutiöser Genauigkeit wird in den ersten zwei Dritteln des Buches über die verzweifelten Versuche der nur neun Mann zählenden Crew des Schiffes berichtet, Kontakt zu jener Zivilisation herzustellen. Dies geschieht aus der rückblickenden Perspektive des noch jungen Bordarztes, was dem Ganzen eine ungeheure Emotionalität gibt, da er sich stets und ständig von seinen Kollegen benachteiligt fühlt und dies auch sehr anschaulich beschreibt. Dieser erste Teil erzeugt aufgrund des ungewissen Endes des Konflikts natürlich Spannung und geht auch nicht allzu sehr, aber doch hin und wieder ins Tiefgründige. Denn Dilow stellt hier u.a. die Fragen, warum die Menschen überhaupt Kontakt mit jenen höheren Wesen herstellen wollen, und welche Bedeutung und Konsequenz er für beide Seiten hat. Die Antworten gibts dann zumindest im Ansatz im letzten Drittel des Romans, der etwas zäher und philosophischer ist, deswegen aber nicht minder spannend. Und das Ende ist dann einfach nur ernüchternd.

Die Protagonisten des Buches sind an einen festen – und natürlich noch nie erprobten – Kodex für die Kontaktaufnahme mit einer anderen Zivilisation gebunden, welcher einerseits einige der oben erwähnten Fragen aufwirft und andererseits die einsame Position der neun Mann an Bord hervorhebt. Sie können nicht einfach Verstärkung oder Hilfe anfordern, um die fremden Wesen zum Sprechen zu bewegen, sondern müssen es allein hinbekommen – tragen also die Verantwortung für alle ihre Fehler selbst. Und es werden einige Fehler gemacht, so viel sei verraten.

Aufgrund der Unbekanntheit des Autors wurde Die Last des Skaphanders (zumindest soweit ich weiß) nie neu aufgelegt und ist mittlerweile ausschließlich in Trödelläden und bei diversen Internetshops zu bekommen. Man sollte sich dabei auf keinen Fall von der trashigen Gestaltung der Heyne-Ausgabe abschrecken lassen, die den Eindruck eines reißerischen Billigromans erweckt (da muss ich doch direkt mal stänkern und behaupte, dass das Buch im ostdeutschen Das Neue Berlin-Verlag ein schöneres Design bekommen hätte). Dieser Science-Fiction-Roman hat definitiv Substanz und untermauert meine These, dass Ljuben Dilow als Schriftsteller viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Absolute Empfehlung für alle Freunde des Genres!

6 Responses to “Ljuben Dilow: Die Last des Skaphanders”


  1. 1 Golem 7. Januar 2010 um 15:00

    Klingt spannend das Buch

    • 2 Christian 7. Januar 2010 um 15:32

      Oho, den Herrn kenn ich doch ^^
      Und es ist wirklich spannend, bei genauerer Überlegung wärs für die Facharbeit damals sogar besser geeignet gewesen als Solaris…

  2. 3 Golem 7. Januar 2010 um 16:06

    Tja vielleicht, aber nun ist es eh zu spät ^^

  3. 4 Dr. Borstel 7. Januar 2010 um 19:30

    Eine Facharbeit über Lem? In welchem Fach denn, wenn man fragen darf? (Und warum durfte ich nicht über so ein Thema schreiben?😀 )

    Klingt tatsächlich interessant. Wobei mein Büchervorrat wahrscheinlich eh noch bis Anfang des nächsten Jahrhunderts reicht, in dem Tempo, in dem ich momentan lese …

    • 5 Christian 7. Januar 2010 um 19:46

      Die Arbeit war für Deutsch und trug den überhaupt nicht speziellen Titel „Science-Fiction in der Literatur des Sozialismus mit Schwerpunkt auf Stanislaw Lem“. Und wenn ich dir jetzt noch sage, dass ich mich dafür tatsächlich ziemlich interessiere… Aber du scheinst ja auch was für Lem übrig zu haben?! :O

      Und zum Lesetempo: Geht mir ähnlich, theoretisch bräuchte ich mir für den Rest meines Lebens keine Bücher mehr kaufen. Ich machs aber trotzdem😉

      • 6 Dr. Borstel 8. Januar 2010 um 14:43

        Naja, ich sage mal so, eine Facharbeit über Science Fiction gleich welcher Natur wäre mir mit Sicherheit weit lieber gewesen als eine über politische Strukturen in der DDR … Vor allem wäre meine Literaturliste dann sicherlich mit mehr Begeisterung angefertigt worden.😉


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