Durchgezockt: Assassin’s Creed II

Es hat ein Weilchen gedauert, aber just in diesem Moment habe ich Assassin’s Creed II beendet. Ob es besser als der erste Teil ist, sich beide nicht viel nehmen und überhaupt – das versuche ich im Folgenden herauszufinden.

Beginnen wir mit dem größten Kritikpunkt des ersten Teils: der mangelnden Abwechslung. Altaïrs Abenteuer war ja doch recht monoton und spätestens ab dem fünften Attentat (von insgesamt neun) hatte ich das Gefühl, mich durchquälen zu müssen, um denn wenigstens die Auflösung der spannenden Story zu erfahren. Das ist im zweiten Teil definitiv nicht mehr so. Beim Absolvieren der storyrelevanten Hauptmissionen kommt wirklich nie Langeweile auf, obwohl sich natürlich manche im Grundprinzip ähneln. Der Trick ist, dass dem Spieler zwischendurch immer wieder etwas Neues geboten wird, etwa der Flug mit einer von Leonardos Flugmaschinen, der mir persönlich so viel Spaß gemacht hat, dass ich mir ein paar weitere Missionen nach diesem Muster gewünscht hätte. Leider hat man manchmal das Gefühl, als würde einen das Spiel zu sehr an die Hand nehmen, indem es einem stets sagt, was man als Nächstes tun soll, wohin man zu gehen hat und so weiter. Ausgeglichen wird das aber wiederum durch die gänzlich unlinearen Möglichkeiten außerhalb der Story-Missionen, die natürlich alle freiwillig zu absolvieren sind (vom Einsammeln der Kodexseiten mal abgesehen).

Ganz in der Tradition des Vorgängers gibt es auch diesmal etliche sammelbare Objekte, nur mit dem Unterschied, dass man einige davon sammeln muss (die Kodexseiten) und teilweise auch will (die Glyphen, denn die Belohnung dafür ist schlicht und ergreifend awesome). Mit Klettern und Meucheln bleiben natürlich die Hauptelemente der Reihe erhalten – während einem beim Kämpfen und stillen Töten nun aber viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, bleibt das Klettersystem bis auf ein paar Änderungen im Detail unangetastet, was natürlich keinesfalls schlecht ist, aber bei Weitem nicht mehr so beeindruckt wie noch im ersten Teil.

Generell ist das ein großer Kritikpunkt von meiner Seite: Dem Spiel fehlt ein wenig die Originalität des Erstlings. Alles ist besser und größer und schöner, aber die Glücksgefühle, die ich beim Erklimmen der Türme Jerusalems, Akkons und Damaskus‘ hatte, blieben irgendwie aus. Das Renaissance-Setting sagt mir auch nicht allzu sehr zu, aber das ist alles so sehr geschmacksabhängig, dass ich es wirklich nur als persönliches Contra bezeichnen möchte.

Die Geschichte um den Zwist zwischen Templern und Assassinen wird natürlich fortgeführt, auch wenn sie im Laufe des Spiels ein wenig in den Hintergrund rückt, um Ezios Geschichte die volle Aufmerksamkeit zu geben. Sein Motiv – Rache – ist reichlich profan, in dieser Hinsicht hat mir wieder Teil eins mit seinen Fragen nach Ehre und Moral des Assassinen besser gefallen. Diese Ernsthaftigkeit ist einer lockeren, menschlicheren Erzählweise gewichen, die objektiv gesehen blendend unterhält und zum Weiterspielen ermutigt, dem anfänglichen Stil der Reihe aber nicht steht.

Ich glaube kaum, dass es ein Spoiler ist, wenn ich verrate, dass das Ende des ersten Teils ein ziemlicher Cliffhanger war. Der Nachfolger setzt hier nahtlos an und entspinnt eine irre komplexe Rahmen- und Hintergrundhandlung, die sich mit so ziemlich jeder Verschwörung seit Beginn der Geschichtsschreibung schmückt und mir zeitweise völlig überladen vorkam. Das wieder sehr offene Ende relativiert das Ganze ein wenig und sobald man durch das Lösen der Glyphenrätsel „die Wahrheit“ entschlüsselt hat, kommt man eigentlich gar nicht drum herum, die Story super zu finden und sich auf die Fortführung zu freuen. Zumindest ging es mir so.

Aus technischer Sicht hat sich leider nicht viel getan im Vergleich zum Vorgänger: Das Design und die Dynamik der Städte ist nach wie vor einmalig, allerdings laden manche Texturen immer noch zu langsam, ploppen auch zwei Jahre später Objekte beim Näherkommen auf, wirken manche Gesichtsanimationen noch immer arg unausgereift (dass es in dieser Hinsicht besser geht, zeigt ja zum Beispiel Mass Effect 2). Insgesamt ist das Ergebnis aber in Ordnung, die musikalische Untermalung reicht von wunderschön bis unauffällig und die deutsche Synchro leistet sich nur ganz wenige Patzer (was bei Videospielen ja leider alles andere als die Regel ist).

Eine Unverschämtheit ist aber mal wieder der DLC und wie im Spiel die fehlenden Episoden in Ezios Leben gerechtfertigt werden. Das ist einfach nur dreist und wird von mir in diesem Fall nicht unterstützt.

Alles in allem bin ich zufrieden mit Assassin’s Creed II. Umfang, Abwechslung und Gameplay stimmen einfach und man merkt, wie viel Mühe in diesem Titel steckt. Aus spielerischer Hinsicht ist er dem Vorgänger natürlich um Längen überlegen, aus erzählerischer nicht unbedingt, aber das ist wie gesagt Geschmackssache. Nun bin ich erst einmal gespannt, ob und wie Ubisoft die Reihe mit dem kürzlich angekündigten Lückenfüller zwischen Teil zwei und drei (oder ist es gar schon Teil drei…?) zerstören wird.

Bilderquelle: ign.com

14 Responses to “Durchgezockt: Assassin’s Creed II”


  1. 1 Laosüü 20. Februar 2010 um 21:14

    Gut geschrieben, aber dennoch hier meine Sicht der Dinge.^^

    Da zu Zeiten der Renaissance wieder der Mensch in den Mittelpunkt rückt, ist eine menschlichere Erzählweise doch durchaus logisch. Und auch das Thema Rache war schon immer ein beliebtes in italienischer Geschichte.

    Dass dem Spiel Originalität fehlt, kann ja durchaus sein, aber man hätte das Spiel ja nicht von Grund auf verändern können, oder?😀
    Mir selbst gefallen die Städte in Teil 2 besser, da sie viel abwechslungsreicher und besser zu unterscheiden sind.
    Und eine überladene Verschwörung?! Sagst du doch nur, weil du Probleme mit den Namen hast.😉 Abgesehen davon wird doch den Templern jeder Mist zugeschoben und das seit Jahren xD

    In Punkto Grafik stimme ich aber vollkommen zu, auch wenn sich die Probleme bei mir im erträglichen Rahmen hielten.

    Und zum Schluss noch etwas zum Thema DLC: mir hätte es ehrlich besser gefallen, wenn diese beiden DNA-Abschnitte für immer verloren geblieben wären, denn es hätte ja gut in die Story gepasst, da man eben nicht alle Inhalte aus Ezios Leben herunterladen konnte. Ich bin sowieso kein großer Fan von Spielen, bei denen man die Hälfte erst noch runterladen muss.

    Ansonsten bin ich natürlich stolz auf dich, dass du es endlich geschafft hast.😉🙂

  2. 3 vetaro 21. Februar 2010 um 05:52

    Wir müssen echt mal die Offenbarungen in diesem Spiel diskutieren. Ich hab das ja als ich zu Neujahr über AC2 schrieb schonmal gemacht – und ich hielt die auflösungen alle für langsam aber mal echt ziemlich über-aufgeblasen.

    Der nächste teil kann ja praktisch nur noch von aliens im bermuda-dreieck die hitler geklont haben und einen gigantischen pudding auf alle hauptstädte loslassen wollen handeln…

    • 4 Christian 21. Februar 2010 um 09:45

      Ich hoffe ja, dass der dritte Teil wieder in der Geschichte zurückgeht, wo vielleicht noch nicht so viele moderne Verschwörungen herhalten können. Ich kann es auch nicht oft genug sagen: „Die Wahrheit“ ist so fantastisch, dass ich mir genau dieses Setting im nächsten Spiel wünsche. Aber wenn das Ganze wirklich eine Trilogie sein soll, dann müsste sich der Dritte ja auf Desmond konzentrieren, nach diesem Ende!

      Wobei das mit dem Pudding auch interessant klingt. Müsste man dann nur als göttlichen Pudding oder Edenpudding bezeichnen.

  3. 5 Laosüü 21. Februar 2010 um 12:15

    Der geheimnisvolle letzte Edensplitter: der Pudding!!!!😀

  4. 7 vetaro 21. Februar 2010 um 13:30

    Also, ich glaube, wenn die jetzt nicht Desmond in die Neuzeit aussetzen würden, dann wären Leute sehr enttäuscht, nach all dieser Ausbildung.

    In der Hinsicht fällt mir auf, dass, sobald etwas in der Neuzeit spielt, die Messlatte direkt viel höher hängt. Würde man all den Inhalt vonn AC2 einfach in eine neu gestaltete Umwelt pflanzen, das würde nicht klappen.

    Abgesehen davon: Wolkenkratzer-climbing? Oder rennt er dann über all die schiefdächer, die heutzutage in Mode sind? Wir wissen ja nichtmal, ob Assassin’s Creed tatsächlich praktisch „morgen“ spielt, oder ob es noch weiter in der Zukunft liegt (ich behaupte, es spielt in der Welt von Mirror’s Edge).

    Und wenn man wirklich um die ganze Welt muss – wird das dann nicht zu einem albernen „World Tour“-Teil? Ich glaube, die Entwickler müssen schon lange ne gute Idee im kopf gehabt haben, wie die das abziehen wollen…

    • 8 Christian 21. Februar 2010 um 13:42

      So hab ich mir die Welt, in der die Rahmenhandlung spielt, auch immer vorgestellt – wie in Mirror’s Edge. Aber ob da Klettern und Töten im Sinne der vorigen Teile auch so gut funktionieren würden, wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

      Meine Theorie:
      Desmond liegt zu Beginn des Spiels wieder im Animus und kontrolliert einige seiner nach Ezio kommenden Vorfahren, mit denen er die Tempel sucht. So kann man einige Epochen und Settings abdecken. Die zweite Hälfte des Spiels spielt dann in der AC-Gegenwart, man spielt also Desmond auf der Suche nach dem letzten Tempel oder Edensplitter oder whatever. Nebenbei wird dann die ganze Sache mit Abstergo geklärt und seine Freundin da entpuppt sich als Verräterin oder erhält eine sonstige storyrelevante Rolle. So fände ich es okay und so ähnlich wird es sicherlich auch kommen. Merkt euch meine Worte.

      • 9 Laosüü 21. Februar 2010 um 17:12

        Könnte ja wirklich sein, dass er nur in der Vergangenheit den Verbleib der restlichen Edensplitter erforscht und wenn er weiß, wo sich der Entsprechende befindet, holen ihn die anderen Assassinen in der Gegenwart.

  5. 10 spanksen 21. Februar 2010 um 13:45

    Und genau die mangelnden Abwechslung ist es auch warum mich beide Teile nicht fesseln konnten

  6. 12 Laosüü 21. Februar 2010 um 17:08

    Genau.^^

    Das Geschen um Desmond ist uns glaub ich um einige Jahre voraus. Das spielt soweit ich weiß, 2012, kurz bevor die Templer den Apfel in den Weltraum schießen wollen (das genaue Datum könnt ihr euch aufgrund der Weltuntergangspanikmache glaub ich denken ;)).

  7. 13 vetaro 21. Februar 2010 um 21:49

    Ach, das genaue Datum ist total egal – Assassin’s Creeds Neuzeit-Handlung findet zwanzig Minuten in Richtung Zukunft statt – es ist schon irgendwie die zukunft, aber abgesehen davon dass jemand Plebotinum hineingestopft hat, scheint es mit unserer Welt ziemlich identisch zu sein. Vielleicht hat man es etwas anders designt.

    Um kurz nochmal auf die Verbindung zu Mirror’s Edge einzugehen: ME spielt nicht zwanzig Minuten in der Zukunft, sondern bereits in einem super-sauberen Polizeistaat (über den man ausser den ersten zwei Sätzen exposition im Spiel nie mehr was erfährt).

    Vorallem das Design der Abstergo-Station und deren Pläne (all das „böse“ im Menschen unter kontrolle zu bringen, wie der professor in Teil 1 mal ausführte) sieht irgendwie so aus, als wäre die ME-Welt das Ziel der Templer. Und während ich davon ausgehe, dass die Spiele nur völlig zufällig so ähnliche Settings haben, träume ich ein bisschen davon rum, dass es doch ineinander über gehen könnte.
    Dann wären die Runner nämlich die Assassinen.

  8. 14 Christian 21. Februar 2010 um 22:32

    Ich kenne von Mirror’s Edge nur die Demo, aber es sieht der Welt, die man ab und an durch die Fenster des Abstergo-Labors sehen konnte, schon sehr ähnlich – wie gesagt. Dass es als eine Art Crossover fungiert, halte ich aber allein aufgrund der unterschiedlichen Publisher für unwahrscheinlich, auch wenn die Parallelen wirklich verblüffend sind, jetzt wo du sie erwähnst!


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