Kornkreise und Glaubensfragen

Bei den Überlegungen zu den besten Filmen der Nullerjahre stellte sich nicht zum ersten Mal heraus, dass mir M. Night Shyamalans Meisterwerk Signs noch immer in der DVD-Sammlung fehlte. Das wurde nun endlich einmal nachgeholt und ich präsentiere meine persönliche Einschätzung – beinahe acht Jahre nach der ersten Sichtung!

Überall auf der Welt tauchen zur gleichen Zeit mysteriöse Kornkreise auf, schweben grelle Lichtpunkte über Städten, drehen Haustiere durch, weil sie eine Bedrohung spüren. Der Zuschauer erlebt diese Ereignisse aus der Perspektive der zurückgezogen lebenden Familie Hess um den ehemaligen Pfarrer Graham, der seine Frau bei einem Autounfall verlor und seitdem zusammen mit seinem Bruder seine beiden Kinder zu erziehen versucht. Es beginnt mit Kreisen im anliegenden Maisfeld und endet schließlich mit der Gewissheit, dass sich Besucher auf der Erde befinden – mit unklaren Motiven…

Das hört sich natürlich nach dem Plot eines simplen Science-Fiction-Streifens an, entpuppt sich aber nach einer Weile als mit dramatischen Elementen angereicherter Gruselfilm. Immer wieder wird auf die Ereignisse kurz vor dem Tod von Grahams Frau Bezug genommen, die schwierige Beziehung zwischen Graham und seinen exzentrischen Kindern und seinem Bruder beleuchtet und so das Fundament für die weitere Handlung bis hin zum überraschenden Finale gelegt. Im Laufe des Films wird auch deutlich, dass sich der Titel nicht nur auf die ominösen Kornkreise bezieht, sondern vielmehr auf die Anzeichen für das, was die Familie durchsteht. Ein extreme Spoiler enthaltendes Beispiel gefällig? Zu den Ereignissen im Finale wäre es nicht gekommen, hätte Graham nicht dem Alien die Finger abgehackt, was er wiederum nur tun konnte, weil der Schuldige für den Tod seiner Frau ihn angerufen hat – was dieser nur konnte, weil er eben Grahams Frau auf dem Gewissen hat. You see?

Der Plot ist also gelungen, ganz im Sinne seiner Definition sogar: Die logische Verknüpfung der Geschehnisse überzeugt und ist tiefsinnig, ganz wie man es von Herrn Shyamalan bis The Village gewohnt war. Gefallen hat mir zudem das Aufgreifen der irgendwie nie ermüdenden Diskussion um Schicksal und Zufall sowie die Frage nach dem verlorenen Glauben. An manchen Stellen vielleicht etwas langatmig, aber nie aufgesetzt wirkend.

Hauptgrund dafür, dass sich dieser Film so tief in meinem Gedächtnis verwurzelt hat, ist allerdings die Tatsache, dass er an einigen Stellen unglaubliche Spannung und Schockmomente hervorbringt. Dies zudem in erster Linie durch einfachste Mittel wie ein Rascheln im Maisfeld oder eine verschwommene Silhouette. Ich erinnere mich, dass ich mich als junger Spund damals im Kino fast zu Tode gegruselt hätte. Heute, nachdem ich den Film schon mehrmals gesehen habe, ist es natürlich nicht mehr so schlimm, aber einige Stellen lassen mein Blut nach wie vor gefrieren.

Zwei Kritikpunkte gibt es aber meiner Ansicht nach doch, nämlich erstens, dass die eigentliche Grundidee um die Kornkreise und die außerirdische Invasion viel zu schnell und irgendwie halbherzig abgetan ist, und zweitens – Spoiler! –, dass die Animationen des kosmischen Kollegen am Ende etwas zu unausgereift sind, zumindest dann, wenn man ihn aus der Nähe sieht. Von einem 2002er Film kann man in dieser Hinsicht schon mehr erwarten.

Insgesamt halte ich Signs für einen der gruseligsten Filme aller Zeiten (auch wenn das nicht jeder so sieht, wie ich gestern Abend feststellen musste) und vor allem für einen sehr tiefgängigen Streifen mit ausgefeilten Charakteren und eben den paar Aliens da. Wenn doch Regisseur M. Night Shyamalan nur wieder zu dieser Stärke zurückfinden würde!

10 Responses to “Kornkreise und Glaubensfragen”


  1. 1 bullion 20. Februar 2010 um 08:54

    Ich mag „Signs“ auch sehr gerne und fand ihn damals im Kino auch sehr gruselig.

  2. 3 Laosüü 20. Februar 2010 um 21:24

    Ich stimme zu, dass die Charaktere sehr gut ausgedacht und dargestellt waren, auch wenn der Junge irgendwann nur noch genervt hat.^^
    Die mitunter witzigen Stellen fand ebenfalls ich gut, aber manchmal wirkten sie zu albern für solch einen Film.
    Die von dir angesprochene Art, die ganzen Handlungsstränge der Vergangenheit und Gegenwart zu verknüpfen hat auch mir sehr gut gefallen.

    Im Endeffekt kein Film meiner Top 50, aber ein sehr gut gemachter Film, der es zwar versteht den subtilen Horror zu nutzen, allerdings in zu geringem Maße, weswegen ich die „gruseligen“ Abschnitte vorhersehbar fand. Was vielleicht auch daran lag, dass mir eine gewisse Person im Vorfeld immer erzählen musste, wie sehr sie sich damals bei der Szene erschreckt hat.😉
    Oder daran, dass ich mit 8 schon sowas wie Alien gesehen habe.

  3. 5 Dr. Borstel 21. Februar 2010 um 11:29

    Nicht gesehen, woran liegt’s? Ich mag Shyalaman nicht, mag Gibson nicht, stelle sowieso überhöhte (weil „Lost“-verwöhnte) Ansprüche an Mystery-Filme aller Art und erwarte irgendwie so überhaupt nichts von „Signs“.

    (Übrigens habe ich auch „The Sixt Sense“ nie gesehen, weil ich ärgerlicherweise das Ende schon kenne …)

  4. 8 spanksen 21. Februar 2010 um 13:44

    Ich fand Signs auch toll, vielleicht sogar der beste von Shallamahalladalla😉


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