Ich mache ein Praktikum und alle so…

Das erste Pflichtpraktikum meines Studiums hat mich nun also in den Hort meiner alten Grundschule geführt und was ich da seit mittlerweile anderthalb Wochen mache und erlebe, lest ihr (in der Kurzform) im Folgenden.

Eine Fred-Feuerstein-Zeichnung, liebevoll als Brief zusammengefaltet – danke, Anna!

Vor Beginn des Praktikums war ich natürlich irre aufgeregt, ob und wie ich von den Kindern aufgenommen werden würde, schließlich ist der Hort trotz seiner etwa hundert Kinder (alle im Alter zwischen sechs und elf Jahren) eine feste soziale Gruppe und man selbst möglicht mehr als nur ein passiver Beobachter. Aber es ist wirklich erstaunlich: Nach zwei, drei Tagen hatten mich einige Kinder so sehr ins Herz geschlossen, dass ich früh mit einer Umarmung begrüßt wurde und teilweise über Stunden zu Tischtennis und Brettspielen, deren Regeln keiner versteht, gezwungen wurde. Dabei ist es natürlich schwierig einzuschätzen, ob die Kinder einen nun als Erzieher oder als einen von ihnen betrachten (das wurde ich tatsächlich einmal gefragt – ob ich neu in der Klasse wäre), aber mittlerweile überwiegt wohl die erste Variante, oder zumindest glaube ich das.

Schuld daran ist sicher auch die Tatsache, dass ich die Kleinen inzwischen auch mal zurechtweisen muss. Ich finde es ja irre schwierig, beim Schimpfen ernst zu bleiben bzw. überhaupt zu schimpfen, aber die Bälger wollen das manchmal wirklich und dann wird man selbst tatsächlich auch mal laut.

Interessant sind auch die Entwicklungsunterschiede zwischen Erst- bis Viertklässlern: Manche wirken noch extrem kindlich und als wären sie gerade so nicht mehr im Kindergartenalter; andere (besonders Mädchen) scheinen schon mitten in der Pubertät zu sein und geben am laufenden Band sarkastische Bemerkungen ab, lassen sich überhaupt nichts von den Erziehern sagen und wirken somit gänzlich fehl am Platz zwischen all den quängelnden Kleinen. Mir fällt es extrem schwer, in kürzester Zeit erst mit der einen Variante und dann mit anderen zu reden. Bei den Kleineren spricht man ja automatisch mehr wie der Märchenonkel, die Größeren kann man aber auf normale Weise adressieren – möglichst schnell von der einen Art auf die andere umzuschwenken ist nicht gerade einfach.

Und dann gibt es da noch die Regeln des Hortes, die ich natürlich nicht alle sofort intus hatte (und habe) und was die Kinder mit ziemlicher Sicherheit merken. Einige sind aber auch wirklich albern, zum Beispiel darf nicht im Aufenthaltsraum gegessen und getrunken werden, und man darf nicht auf Tischen sitzen. Da kann ich dann wirklich nicht hart durchgreifen und wenn es schließlich die anderen Erzieher machen, fühlt man sich immer ein wenig schlecht, weil man selbst nichts gesagt hat.

Der Sinn des Praktikums ist übrigens, gleich zu Beginn des Studiums in den pädagogischen Beruf reinschnuppern zu können und in dieser Hinsicht finde ich das Ganze extrem sinnvoll. Mal davon abgesehen, dass wir quasi überhaupt nicht auf die Arbeit mit Kindern vorbereitet wurden und uns im ersten Semester Erziehungswissenschaft eher über Historie und Unterteilung ebendieser berieseln lassen haben – ist es irre interessant, das Verhalten der Kleinen zu beobachten und sich Gedanken darüber zu machen. Das ist dann übrigens Teil des Praktikumsberichts, der den drei Wochen im Hort zu folgen hat und für den ich mir jeden Tag fleißig Notizen mache.

Bis jetzt kann ich also guten Gewissens sagen, dass mir das Praktikum extrem viel Spaß macht – hoffentlich bleibt das auch die nächsten anderthalb Wochen so. Bis jetzt hatte ich eigentlich überhaupt keine Meinung zu Kindern (könnte auch daran liegen, dass ich selbst noch gar nicht so lange keins mehr bin, ZWINKER), doch jetzt hab ich die kleinen Quälgeister schon so ein bisschen ins Herz geschlossen. Dumm nur, dass ich in dem Beruf, den ich ja doch irgendwie anstrebe, überhaupt nichts mit dieser Altersgruppe zu tun haben werde…😀

14 Responses to “Ich mache ein Praktikum und alle so…”


  1. 1 Basti 9. März 2010 um 22:26

    Respekt, ich würde es glaube ich kaum lange mit sovielen „BÄLGERN“ aushalten…

  2. 2 Hannibla Lektor 10. März 2010 um 13:49

    Also ich keine fünf Minuten. Daher auch mein Respekt! Finde ich aber klasse, dass man da gleich direkt am Anfang des Studiums mit der brutalen, lauten und klebrigen Realität konfrontiert wird🙂

  3. 3 Dr. Borstel 10. März 2010 um 14:32

    Yeeahh!

    Uffz, das würde mich wahrscheinlich auch an meine Grenzen bringen …

  4. 4 graval 10. März 2010 um 19:36

    Ich würde alles geben fürn Praktikum atm😉 Aber hey, kids rulen. Vorallem kleine Neffen😀

  5. 5 Christian 10. März 2010 um 20:02

    @Basti
    Genau das Gleiche habe ich im Vorfeld auch gedacht😉

    @Hannibla
    Auf jeden Fall – brutal und laut IMMER, klebrig nur manchmal😀

    @Dr. B.
    Yeah, das glaube ich nicht😉

    @graval
    Kleine Neffen habe ich nicht, aber dass die rulen, glaube ich dir trotzdem:mrgreen:

    • 6 graval 10. März 2010 um 20:06

      Ich beweis es sogar gern mal. Weisst du, so siebenjährige Dinger, die alles cool finden, wofür du schon zu alt bist.😀 Und Star Wars Fans sind, inkl. Bettwäsche ^^

      • 7 Christian 10. März 2010 um 20:16

        Jupp, die Kleinen bei mir im Hort mögen auch Zeug, wofür ich mich damals noch begeistern konnte, wie Yugioh oder Pokomon und all das ^^ Nur dass die keinen Plan von den Regeln beider Kartenspiele haben xD

        • 8 graval 10. März 2010 um 20:51

          Hehe. Momentan ist mein Neffe noch einer, der von der Regellosigkeit dieser Spiele profitiert, wie es scheint😀 Ständig schleppt er neue Karten an🙂

  6. 9 Laosüü 10. März 2010 um 22:13

    Ich würde dich auch eher zur zweiten Gruppe zählen.:mrgreen:
    Das Meckern musst du als Lehrer aber noch lernen.

    Aber Respekt. Hätte nicht erwartet, dass dir das so viel Spaß machen würde.^^

  7. 10 spanksen 11. März 2010 um 08:46

    Jau, Hut ab vor digga, für mich wäre das wohl nix😉

  8. 11 Dos Corazones 11. März 2010 um 18:19

    Ich befinde mich im Vorjahr zum Abitur. Die „Kleinen“ bei uns auf der Schule (Jungenschule) sind so laut, nervtötend und respektlos, dass es mir im Moment schwer fällt, dir zu glauben, dass die Arbeit mit solchen jungen Menschen Spaß macht…

    Dafür gibt es aber immerhin von mir großen Respekt😉

  9. 12 Christian 12. März 2010 um 10:54

    @Laosüü
    Ich kann durchaus meckern, nur ist das weder für mich noch für die Kleinen überzeugend ^^;

    @Spank
    Danke, Digga!😀 Du als Papa hast ja vielleicht doch schon mehr Erfahrung mit Kindern😉

    @Dos Corazones
    Laut und nervtötend sind eigentlich die meisten, respektlos die wenigsten – allerdings nimmt die Tendenz in dieser Hinsicht zu, je älter sie werden. Oder sagen wir so: Wenn sie am schlimmsten sind, habe ich sie dann auf dem Hals – wenn es denn mit dem Lehrerberuf klappt😉


  1. 1 Pilterpost XIV – Herr Meinkleinerneffe « Ploppers Wörld Trackback zu 11. März 2010 um 23:10
  2. 2 No More Praktikum « It's Magic! Trackback zu 19. März 2010 um 16:36

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