Alice in CGI-Wonderland

Da habe ich es heute doch endlich mal geschafft, mir Tim Burtons Alice im Wunderland anzusehen – immerhin ein Film, auf den ich mich schon eine ganze Weile freue.

Zunächst einmal die Klarstellung: Der Film trägt völlig zu unrecht denselben Titel wie Carrolls Klassiker, schließlich basiert er nur lose auf den Figuren und Ereignissen der literarischen Vorlage und ist vielleicht am ehesten so etwas wie eine Fortsetzung. Düsterling Burton drückt dem Film gewiss seine Marke auf, allerdings nicht so sehr wie in vergangenen Produktionen. Die surrealen Dekors und Landschaften sind zwar typisch, wirken allerdings nicht so atmosphärisch wie das zum Beispiel bei Sleepy Hollow oder Sweeney Todd der Fall ist. Das würde ich auch als allgemeines Problem des Films bezeichnen: Ihm fehlt ein wenig das Flair der Vorlage – auch wenn viele der bekannten Charaktere dabei sind und auf äußerst kreative Weise zum Leben erweckt wurden. Aber eben am Computer, und das schadet dem Ganzen. Sogar die realen Darsteller wirken merkwürdig unecht und animiert. Da hat man vielleicht ein wenig zu sehr auf moderne Technik gesetzt.

Newcomerin Mia Wasikowska spielt die fast erwachsene Alice dafür großartig, was ich im Vorfeld aufgrund diverser Trailer gar nicht erwartet hätte. Nur ihre deutsche Synchronstimme geht gar nicht, aber dafür kann sie ja nichts und über die Deutschen und ihre unsägliche Synchronisationssucht muss ich mich mal an anderer Stelle auslassen. Johnny Depp als Hutmacher überzeugt ebenfalls, wenn es auch nicht seine am besten gespielte Rolle ist (immer noch Edward Scissorhands, wenn ihr mich fragt). Manchmal wirkt leider der Plot etwas ziellos und holprig – Alice rennt zwar auch im Buch von einer seltsamen Bekanntschaft zur nächsten, hier wirkt das aber immer etwas erzwungen. Vor allem die Schlacht macht einen ziemlich unpassenden Eindruck, wenn sie auch nett inszeniert ist.

Graval spricht von einem Film, „der verspricht was er hält“; Britta hält diese Alice für „ein viktorianisches Riot Grrl“; Dos Corazones sieht hier eines „der massentauglicheren Burton-Werke, ohne große Überraschungen“ – ich behalte ein kreatives Spiel mit dem Alice-Stoff in Erinnerung, das sehr viel Potential mit stupider Technik-Protzerei verschwendet und in dieser Form auch von jedem x-beliebigen Regisseur außer Burton realisierbar gewesen wäre.

34 Responses to “Alice in CGI-Wonderland”


  1. 1 Dos Corazones 14. März 2010 um 00:47

    Ich habe nach dem ersten Satz schon richtig vermutet: Die Enttäuschung wird auch hier groß sein.
    Oh, und große Sympathie: Edward Scissorhand’s war mal sowas von die Glanzleistung des besten lebenenden Schauspielers der Welt😉

  2. 2 graval 14. März 2010 um 02:40

    Das ist doch das Gute an Film und das, was Reviews interessant macht – dass jeder das Ganze anders auffasst und sieht. In meinen Augen ein gelungener Film, aber mit der holprigen Story geb ich dir ein bisschen Recht, wenn mich das auch nicht so gestört hat, wie dich🙂

  3. 3 suednordost 14. März 2010 um 10:00

    Hey, danke für das Pingback- ich fand im Gegensatz zu dir, dass „Alice“ eindeutig Burtons Handschrift erkennen lässt: Die düsteren Landschaften (knorrige Bäume ohne Blätter und der ganze Nebel)hätten auch in Sleepy Hollow sein können und all das Bunte, Albtraumhafte in „A Nightmare before Christmas“. Mit den Synchronstimmen ist das natürlich immer so eine Sache: Ich kucke auch lieber Originalversionen. Aber das wird ja hier im Kino leider nicht angeboten- seufz….

  4. 4 Christian 14. März 2010 um 10:08

    @Dos Corazones
    So groß ist die Enttäuschung gar nicht mal, aber wirklich begeistert bin ich vom Film auch nicht. Kein gutes Zeichen.

    Und über den besten lebenden Schauspieler müssen wir wohl nochmal reden, Jack Nicholson und Michael Caine leben doch noch, oder?😀

    @graval
    So isses, jeder nimmt nen Film anders wahr und deswegen lese ich auch so gerne Rezensionen, die die ganze Bandbreite abdecken😉

    @sno
    Oh ja, Burton ist im Film allgegenwärtig, aber es wirkt auf mich ein wenig, als hätte sich nur ein anderer Regisseur von ihm inspirieren lassen. Also nicht hundertprozentig burton-esk, wenn man so will😉

  5. 6 Laosüü 14. März 2010 um 11:04

    Synchronisationssucht?! Was hasten dir für dieses Wort wieder eingeworfen? :p

  6. 8 Dr. Borstel 14. März 2010 um 12:16

    Gehe ich heute noch ins Kino? Mal schauen …

    Auf jeden Fall ist Johnny Depp der größte Schauspieler seiner Generation, Spacey hin, Penn her. Und über den Titel des größten lebenden Schauspielers überhaupt ließe sich durchaus auch diskutieren. Zumindest ist er mein Favourit, auch wenn ich die meisten seiner Arbeiten nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfilmen zähle.

  7. 9 spanksen 14. März 2010 um 14:16

    Soooo viele verschiedene Meinungen, ich muss mir unbedingt so schnell wie möglich meine eigene bilden

  8. 11 Christian 14. März 2010 um 15:35

    @Dr. Borstel
    Bester Schauspieler seiner Generation nach welchen Kriterien? Das ist alles so subjektiv, dass es sich unmöglich bestimmt sagen lässt. Bester Schauspieler in Depps Altersklasse wäre für mich zum Beispiel eher Clive Owen😉

    @spanksen
    Tu das, wirst es sicher nicht bereuen🙂

    @Dos Corazones
    Bin auch mit Depp aufgewachsen, aber dass er die letzten Jahre so oft die gleiche oder ähnliche Rolle gespielt hat, hat ihn ein wenig Glanz verlieren lassen – in meinen Augen natürlich😉

    • 12 Laosüü 15. März 2010 um 17:59

      Auch wenn Christian wieder ausrasten wird:

      aber irgendwie kann man die Beiden ja nicht wirklich vergleichen. Johnny Depp spielt diese verrückten Rollen einfach grandios. Clive Owen zeichnet natürlich seine saumäßige Coolness (wie in Shoot’em up)aus. Man stelle sich die beiden mal in den Rollen des jeweils Anderen vor. oO

    • 18 Dr. Borstel 16. März 2010 um 18:25

      Na ja, die Sache ist halt: Meine Erfahrung mit Schauspielerei hält sich eher in Grenzen, trotzdem würde ich behaupten, dass es einfacher ist, einfach nur völlige Coolness darzustellen, als sich bis zur Selbstaufgabe in einen völlig absurden Charakter hinein zu versetzen, der vollkommen aus der Realität herausgerissen zu sein scheint. Und Johnny Depp tut das einfach immer und immer wieder, wobei seine Figuren – Ichabold Crane, Edward Scissorhands, Willi Wonka, Jack Sparrow – völlig verschiedene Charaktere sind; das einzige, was sie verbindet, ist ihre Realitätsferne. Und dass Depp es trotzdem immer und immer wieder schafft, derartige Figuren glaubhaft zu verkörpern, nötigt mir größeren Respekt ab, als dass bei irgendeinem anderen Schauspieler der Fall ist.

  9. 19 Christian 16. März 2010 um 19:05

    @graval
    Noch nicht gesehen, aber glaube ich dir gerne =)

    @Borstel
    Ein schlagendes Argument, da muss ich dir wohl oder übel recht geben. Was eine verrückte, realitätsferne Rolle anrichten kann, hat man ja bei Heath Ledger gesehen😐

  10. 29 graval 18. März 2010 um 21:39

    Borstel, du hast gerade wieder vieles, das du durch zwei schlechte Reviews zunichte gemacht hast, bei mir gut gemacht😀 *clap*😉

  11. 30 Christian 18. März 2010 um 22:29

    Na wartet, das bekommt ihr zurück!😀

    Btw. finde ich es merkwürdig, dass dieser Vergleich vor einer Weile schon mal gezogen wurde, in Bezug auf mich und einen anderen Kumpel, der ausnahmsweise nicht Laosüü heißt😯


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