Donnie Darko, dritter Versuch

Das erste Mal habe ich Donnie Darko vor einigen Jahren im Fernsehen gesehen: Er hat mir gefallen, allerdings habe ich ihn damals nicht verstanden, was ja angesichts der wirklich komplexen Handlungsstruktur keine Schande ist (zumindest rede ich mir das ein). Letzte Woche habe ich ihn mir ein zweites Mal angesehen, bin aber zwischendurch zu oft eingenickt, um überhaupt etwas von der Handlung mitzubekommen. Gestern Abend dann die dritte Sichtung, zur Abwechslung hellwach und mit voller Aufmerksamkeit. Wie stehts mit dem Verständnis jetzt?

Schlecht. Die Verbindung von Ende und Anfang des Films will sich mir einfach nicht erschließen. Jedes Mal, wenn ich intensiv darüber nachdenke und glaube, es beinahe rauszuhaben, entschwindet mir die vermeindliche Lösung. Beinahe so, wie beim Nachdenken über den Sinn des Lebens oder was vor dem Urknall war. Im Ernst: Das lässt mich wirklich nicht mehr los! Noch nie hat mich ein Film so herausgefordert, dass ich mir im Nachhinein ein Schema aufgezeichnet habe!

Ich habe versucht, die einzelnen, aufeinander aufbauenden Handlungselemente aufzuschlüsseln und die Bedeutung der Nebencharaktere für die Ereignisse zu verstehen. Was ändert sich dadurch, dass Donnie in seinem Zimmer bleibt?

Ich bin ja mittlerweile der Meinung, dass man mindestens einen Universitätsabschluss in Physik braucht, um die ganze Sache mit den Zeitreisen und Dimensionswechseln zu verstehen. Zumindest lässt die Deutung des Regisseurs mich zu diesem Schluss kommen oder dieser Kommentar von Julian. An anderer Stelle habe ich auch wieder den Rat bekommen, den Zeitreise-Aspekt komplett auszuklammern. Aber dann ergibt der Film noch weniger Sinn. Was allerdings auch wieder eine Deutungsmöglichkeit wäre: Man sollte nicht versuchen, den Film zu verstehen, und ihn stattdessen einfach auf sich wirken lassen.

Wenn man mich also nach dem Schluss fragen würde, den ich aus Donnie Darko ziehe, dann wäre das wohl dieser: Jede Tat hat Konsequenzen, wenn es keinen göttlichen Plan gibt, sind und bleiben wir die Erschaffer unseres eigenen Schicksals. Quasi ein Propagandafilm für Karma. Noch Fragen?

Übrigens scheine ich nicht der einzige zu sein, der bei diesem Film an seine Grenzen stößt: Mein DVD-Player hat sich kurz vor Schluss verabschiedet…

19 Responses to “Donnie Darko, dritter Versuch”


  1. 1 Hannibla Lektor 17. April 2010 um 13:12

    Oh nein, wie großartig, ich gestehe: ich habe auch mal ein Schema gezeichnet, weil mich der Film einfach wahnsinnig macht!!!😉 Inzwischen habe ich es aber aufgegeben und genieße ihn nur noch. Man muss einfach nur einsehen, dass man nicht immer alles verstehen muss, hehe…

  2. 2 Mia 17. April 2010 um 15:19

    Die Sache mit der Zeitreise hat auch mich viele meiner Nerven gekostet. Immer die gleichen Fragen, wie, wann, warum? Was ist jetzt Wirklichkeit, was ist reine Fantasie? Es bleibt ja schließlch dem Zuschauer überlassen, was Donnie von den Handlungnen wirklich erlebt und was er vielleicht Träumt/ sich einbildet, kurz vor dem Tod. Und am Ende steht man da und kann sich aussuchen, welches Schicksal nun wirklich passiert ist.
    Wenn man den Film ganz pingelich auseinander pflückt, dann könnte das Ende auch eine Was-wäre-wenn-Frage sein.

    Aber ich konnte den Film trotzdem und auch ohne Physik-Studium genießen.

  3. 3 Laosüü 17. April 2010 um 19:43

    Sorry, aber wie kann man aus einer gar nicht so komplizierten Handlung eine hochompliziert Wissenschaft machen?😀

    Lynch baut das obligatorische Paradoxon ein, welches bei Zeitreisen immer entsteht und auch ansonsten hat mich der Film vor keine großen Fragen, das Universum betreffend gestellt.

  4. 5 Dos Corazones 17. April 2010 um 20:35

    Respekt, so eine Übersicht will ich mir beim nächsten mal „The Fountain“-Ansehen machen.
    „Donnie Darko“ lasse ich einfach mal unbeeindruckt als Film mit Aussage stehen. Welche? Ja, nun, öh…

  5. 6 Dr. Borstel 17. April 2010 um 20:48

    Ich verstehe nicht, weshalb ihr den Film unbedingt alle verstehen müsst. Vielleicht habe ich ihn wirklich nicht verstanden, keine Ahnung; das macht den Film aber nicht schlechter.😉 Na ja, der Audiokommentar wäre trotzdem mal interessant. *vornehm für demnächst*

  6. 7 Julian 17. April 2010 um 23:07

    ich weiß immer nicht, was es da groß zu verstehen gibt… zeitschleife, wahnsinn bedingt durch depression / psychopharmaka, philosophie spielereien, ein wenig physik.

  7. 9 Christian 18. April 2010 um 11:31

    Überwältigendes Feedback!😯

    @Hannibla
    Wahre Worte, aber dass du auch ein Schema gemacht hast, beruhigt mich schon ein bisschen ^^

    @Mia
    An die Sache mit dem Traum habe ich noch gar nicht gedacht, wäre auf jeden Fall eine plausible Erklärung. Fühle mich aber immer ein bisschen hintergangen, wenn ein Film sich im Nachhinein nur als Traum herausstellt…

    @Laosüü
    Lynch? Soweit ich weiß, ist der Film doch von Richard Kelly Oo

    Von einer unkomlizierten Handlung sprechen und im nächsten Satz das obliagtorische Paradoxon erwähnen finde ich übrigens auch großartig🙂

    @Dos Corazones
    The Fountain nehme ich mir auch schon lange mal vor, ist der etwa auch so irre?!

    @Dokter Borstel
    Ich verstehe nicht, wieso du den Film nicht verstehen willst🙂 Nee, im Ernst, das wurmt mich ungemein.

    @Julian
    Du nennst es doch selbst, das sind mir einfach zu viele komplizierte Motive. Aber ich bin ja jetzt auf dem besten Wege…😉

    • 10 Julian 19. April 2010 um 00:56

      Ich kann dir den Film „Inland Empire“ von David Lynch mal ans Herz legen (obwohl mir Lynch oft zu konstruiert ist) – ich glaube danach springst du aus dem Fenster. Als ich den gesehen hatte (er dauert 3 Stunden) bin ich erst mal ne halbe Stunde im Kreis gelaufen, um alles sortieren zu können.😉

    • 12 Laosüü 19. April 2010 um 15:12

      Zur Sache mit Lynch: da war ich mit meinen Gedanken woanders.😀

      Für mich ist ein Zeitreise-Paradoxon eben nicht kompliziert zu verstehen. Tut mir ja leid, wenn das bei dir nicht der Fall ist.😉

  8. 13 DerGraf 19. April 2010 um 13:34

    Also ich muss meinen Hinweis noch konkretisieren. Man sollte den Zeitreise-Aspekt und diese Philosophie vielleicht nur weitestgehend ignorieren. Wichtig für mich ist nämlich der Punkt, dass er die Zeitreise nutzt, um die Menschen, die er liebt zu retten und sich selbst dafür opfert.

  9. 14 Christian 19. April 2010 um 16:36

    @DerGraf
    Zu der Ansicht bin ich letztlich auch gekommen. Empfinde diesen Gedanken als schönste Auslegung des Endes bzw. der Geschichte an sich.

    @Laosüü
    Es kann ja nicht jeder zwei Doktortitel in höherer Quantenphysik haben…😉

  10. 15 spanksen 19. April 2010 um 16:46

    Zerbrech dir nicht weiter den Kopf, Donnie Darko erklärt sich in Punkt 3 des folgenden Videos😉

  11. 18 indiefreak 12. August 2010 um 15:12

    „Quasi ein Propagandafilm für Karma“ das ist es😉 Sehr unterhaltsame Review über einen der seltsamsten Filme überhaupt, der mMn gar nicht hundertprozentig verstanden werden kann und soll… (aber vll rede ich mir das auch nur ein :-))


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