Marina & the Diamonds: The Family Jewels

The Family Jewels, so nennt sich also das Debütalbum der walisischen Sängerin Marina Diamandis aka Marina & the Diamonds. Meine Erwartungen waren dank großartiger Single-Auskopplungen wie I Am Not A Robot, Mowgli’s Road und Obsessions hoch, und – so viel möchte ich vorwegnehmen – sie wurden nicht enttäuscht.

Marina macht Pop-Musik, das hört man, und sie versucht sich mit Natürlichkeit und Offenheit von den Britneys und Lady Gagas der Branche abzugrenzen. Sie mag nicht die erste sein, die das versucht, aber sie ist eine der wenigen, denen das auch wirklich gelingt. Ihre Texte handeln weder ausschließlich von Zwischenmenschlichem, noch bestehen sie aus leeren Phrasen à la I wanna hold ‚em like they do in Texas plays; sie erzählen Geschichten, die freilich manchmal banal sind (Mowgli’s Road), dann aber wieder absolut prägnant (The Outsider) oder in-yer-face (Girls, Hollywood). Mit Hollywood ist das aber so eine Sache, das passt einfach so gar nicht zum Stil der restlichen Lieder und könnte als erste Single-Auskopplung falsche Erwartungen beim Kauf des Albums wecken. Allen Songs haftet etwas sehr Dynamisches, Rhythmisches an; Hollywood bremst mit seiner 08/15-Machart den Hörfluss ein wenig aus.

Obligatorisch sind natürlich ein bis zwei Balladen, Marina gelingt hier aber das Kunststück, ihren Balladen eher Hymnencharakter zu verpassen (Numb, I Am Not A Robot). Damit sind sie de facto gar keine Balladen mehr, aber sie stehen doch am ehesten den dezent scheppernden, verrückten Beats der meisten anderen Songs des Albums gegenüber. Dass sich einige vielleicht ein bisschen zu sehr ähneln, kann man unmöglich als Kritikpunkt betrachten, wenn alle gleichermaßen fantastisch sind. Und die größte Stärke der Family Jewels wurde im übrigen noch nicht mal erwähnt, das ist nämlich Marinas Stimme. In den meisten Liedern eher tief und trotzig-kraftvoll, wissen auch die zarten Klänge bei Titeln wie I Am Not A Robot oder zu Beginn von Numb zu gefallen. So ein vielseitiges Organ hat meiner Meinung nach keine andere Sängerin der letzte Jahre – zumindest keine, die ich kenne.

Ich könnte das Album natürlich noch weitere dreißig Absätze loben, aber das würde irgendwann langweilig werden. Wenn ihr auch nur im Geringsten etwas für erfrischenden, unkonventionellen Pop übrig habt, dann kauft euch ab morgen diese Platte (oder hört zumindest mal in vier Tracks bei MySpace rein).

4 Responses to “Marina & the Diamonds: The Family Jewels”


  1. 1 Dr. Borstel 17. Mai 2010 um 22:11

    Mit Hollywood ist das aber so eine Sache, das passt einfach so gar nicht zum Stil der restlichen Lieder und könnte als erste Single-Auskopplung falsche Erwartungen beim Kauf des Albums wecken.

    Danke für die Warnung, „Hollywood“ wäre ja mein Hauptanreiz, da Marina auf dem Song einfach unwiderstehlich klingt. Ich bin mal so frei, „Oh my god, you look just like Shakira, no no, you’re Catherine Zeta – actually, my name’s Marina“ schon jetzt zur Songtextstelle des Jahres zu küren. Darüber hinaus hat mich Marina bis jetzt noch nicht umgehauen, aber das kann ja noch kommen.


  1. 1 TunedUp I – Cover & Original « Ploppers Wörld Trackback zu 15. Mai 2010 um 22:04
  2. 2 FREQUENCY 2010 – da wird nicht schlapp gemacht – Day 1 « Laila's Musik Blog Trackback zu 24. August 2010 um 13:16

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