Die Taten der letzten Nacht

Trüb fiel das Licht am Morgen danach durch die Vorhänge, und gab die Sicht auf die Taten der letzten Nacht frei. Hätte ein Uneingeweihter diese Szene betreten, so hätte er keinen Unterschied zum vorigen Abend ausmachen können – von der schweren Luft im Raum einmal abgesehen. Doch er wusste, was letzte Nacht geschehen war und vor allem – wo die Leichen lagen.

Sieben Stunden zuvor. Er wusste, dass er eigentlich viel eher ins Bett hätte gehen sollen und hatte vor, so schnell wie möglich einzuschlafen, um den nächsten, viel zu zeitig beginnenden Tag nicht müde und missmutig angehen zu müssen. Gerade im Begriff, das kleine Nachttischlicht auszuschalten und unter die Bettdecke zu schlüpfen, vernahm er jedoch ein energisches Summen, dem er zunächst keine Beachtung schenkte. Das Fenster war angeklappt, es müsse von draußen kommen, dachte er sich – um im nächsten Moment festzustellen, dass der Ursprung des Geräusches genau über ihm lag. Nach seiner Brille tastend ahnte er schon, was hier vor sich ging; jedoch raubte ihm das tatsächliche Ausmaß des Problems für kurze Zeit den Atem: Die Zimmerdecke war übersät mit allem, was nur klein genug war, durch den offenen Fensterspalt geschlüpft zu sein – Fliegen, Käfern und Mücken in Zahlen, die der Mensch sich nicht vorzustellen vermag.

Hier sollte zunächst erwähnt werden, dass unser Protagonist seit seiner Kindheit von einem Trauma verfolgt wird; er fürchtet sich davor, dass nachts im Schlaf Insekten in seinen Mund krabbeln könnten. Folglich hatte er nur eine Wahl, wollte er nicht die ganze Nacht wach und in Furcht bleiben: jedes einzelne Tier an seiner Decke zu erschlagen, trotz seiner sonst eher friedliebenden Natur. Möglicherweise wunderten sich die Bewohner der umliegenden Wohnungen in der nächsten halben Stunde über die unregelmäßigen Klatscher, die aus den Wänden zu kommen schienen. Aber danach war es vollbracht; überall in seinem Zimmer zuckten kleine, klebrige Beinchen an der Tapete; überall sah man die Spuren dieser schrecklichen Tat. Er fühlte sich dabei nicht gut, aber er wusste, dass er das Richtige getan hatte.

Zu allem Überfluss traute er sich jedoch nicht mehr, das Fenster offen zu lassen und zu der Furcht vor Insekten im Mund gesellte sich die vor dem Erstickungstod, weswegen er diese Nacht zu einer der schlimmsten seines bisherigen Lebens zählen sollte. Dafür hatte er nun aber endlich einen Grund, das bereits seit einiger Zeit herumliegende Fliegengitter anzubringen, was womöglich die Moral dieses Abenteuers ist. Und er fragte sich, ob ihm nicht jemand ein zuverlässiges Hausmittel gegen Mückenmatsch an weißen Wänden empfehlen könnte.

13 Responses to “Die Taten der letzten Nacht”


  1. 1 Gl0rfindel 10. Juni 2010 um 16:23

    TBPMMD

    This BlogPost made my day😛
    Mehr gibt’s nicht zu sagen.🙂

    Gruss
    Gl0rfindel

  2. 2 Golem 10. Juni 2010 um 19:47

    Weiße Farbe😉

  3. 3 zoellner 10. Juni 2010 um 21:02

    Die schlimmere Sorte sind die Weberknechte mit den Flügeln. Wie heißen die eigentlich?

  4. 5 Laosüü 10. Juni 2010 um 22:32

    1. Dass du während unseres Gesprächs nicht mitbekommen hast, dass dein Zimmer von Insekten annektiert wird, macht dich mal wieder zum Helden des Tages.
    2. Das mit dem Erstickungstod werte ich jetzt mal als rein dramatisches Mittel für deinen Splatter-Krimi. Oder besse ich hoffe, dass es das nur war.
    3. Soll ich dir mal verraten, wieviele Insekten du -statistisch gesehen- während deines bisherigen Lebens schon im Schlaf gegessen hast?😉

  5. 6 Golem 10. Juni 2010 um 23:21

    Ja verrate es uns, bitte bitte

  6. 7 mattatsu 11. Juni 2010 um 00:09

    Echt nervig diese Viecher. Vor allem wenn man von dem Geräusch aufwacht bzzzzzzzzzzzzt…

    Vor allem habe ich bei mir Panelen an der Decke, welche auchnoch „Holzmaserung“ haben. So sind die Viecher in etwa so gut zu finden wie eine Nadel, die Nessie verschluckt hat. Vor allem kommt noch der Dachboden-Faktor hinzu. Schonmal versucht nachts eine Mücke an der 3-Meter hohen Decke zu treffen -_-‚?

    Btw. die Viecher auf den Bildern sehen nicht wie Schnaken aus, die sind noch Dünner und haben längere Beine🙂

  7. 8 Mia 11. Juni 2010 um 05:52

    Ich habe auch ein Fliegengitter, aber die Angst vor den Insekten im Mund ist bis heute nicht verschwunden.
    Besonders gruselig wird’s bei der Vorstellung, dass so eine fette Spinnenmama mit ihren Fetten Spinnenkindern einmal quer über’s Gesicht direkt in den Mund hinein krabellt – und dabei möglichst noch ihre Spuren hinterlässt…

  8. 9 christian 11. Juni 2010 um 06:42

    @Gl0rfindel
    Fass ich jetzt einfach mal als Kompliment auf, merci!🙂

    @Golem
    Zu aufwendig:/

    @zoellner
    Ich wills gar nicht wissen, allein die Vorstellung… >_<

    @Laosüü
    Hab ich auch nur mit einer Silbe erwähnt, dass es hierbei um mich geht? ^^

    @mattatsu
    Ich würde ausziehen🙂 (Es sind auch keine Schnaken, zumindest bei den beiden auf dem Teppich liegenden bin ich mir sicher, dass es Mücken sind)

    @Mia
    Da fällt mir die Geschichte von dem Opa ein, der so rüstig war, dass er nicht gemerkt hat, wie Fliegen in seiner Nasenhöhle Eier gelegt haben. Manche Tiere haben einfach keine Existenzberechtigung, und ich mein jetzt nicht den Opa!😉

  9. 10 spanksen 11. Juni 2010 um 15:26

    Rest in Peace Mücke, hab letzt noch gelesen das die Viecher jetzt auch noch so nen üblen Virus übertragen der Rheumatische Beschwerden auslösen kann (ja, hier bei uns in Deutschland😯 )

  10. 11 Dr. Borstel 11. Juni 2010 um 22:08

    Ich glaube, heute Nacht werde ich Albträume haben …

  11. 12 christian 12. Juni 2010 um 00:45

    @spanksen
    Jetzt werde ich sicher nie wieder ruhig schlafen können, genau wie Dr. Borstel!😯


  1. 1 Vom schlechten Schlafen « mia's wortpresse Trackback zu 11. Juni 2010 um 11:28

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