Life’s a Game: Warum floppt ein Spiel?

Heutzutage alles andere als eine Seltenheit: Spiele, die von der Presse positiv aufgenommen wurden, werden von den Massen nicht gekauft, vergammeln in den Regalen und werden schließlich zu Restpostenpreisen verscherbelt. Gerade unter Wii-Software scheint das ein weit verbreitetes Schicksal zu sein – mit dem Resultat, dass Spiele bestimmter Genres nicht mehr für die Konsole erscheinen und dieser ein gewisser Ruf zuteil wird. Es folgt eine Suche nach Gründen am Beispiel des 360-Exklusivtitels Alan Wake.

Zunächst muss ich natürlich klarstellen: Alan Wake ist nicht wirklich gefloppt und hat bisher weltweit etwa eine halbe Million Besitzer gefunden. Unter dem Blickwinkel, dass das Spiel ein sich seit neun Jahren in der Entwicklung befindlicher Triple-A-Titel mit durchaus positiven Kritiken ist, sieht das Ganze aber schon etwas weniger gut aus. Wo bleibt das Interesse an Mr. Wake?

Punkt Nummer eins: Marketing. Hat irgendjemand von euch jemanden für das Spiel werben sehen? Von ein paar eher nervigen als Interesse weckenden Flash-Einspielern auf diversen Webseiten mal abgesehen, ist mir nichts aufgefallen. Die kurze Live-Action-Serie, die im Vorfeld veröffentlicht wurde, mag sicher ein guter Ansatz sein, erreichte aber wohl zu wenige potentielle Kunden. Man beachte nur einmal, wie besessen Ubisoft bereits Monate vor Release für Assassin’s Creed: Brotherhood wirbt (beispielsweise auf YouTube). Microsoft hat sicherlich eine ganze Stange Geld investiert, um den früheren Multiplattform-Titel Xbox-exklusiv zu machen, da hätten doch ein paar mehr Maßnahmen den Braten auch nicht mehr fett gemacht. Virales Marketing ist doch zur Zeit sehr angesagt, oder Werbung im Fernsehen. Hab ich gehört.

Das nächste Problem nennt Remedy-Mitarbeiter Oskari Hakkinen (via) selbst: „Zweifellos wurde Alan Wake zeitgleich mit einigen Games veröffentlicht, die durch sehr aggressives Marketing dominierten“. An Alan Wakes Abenteuer wird also ganze neun Jahre geschraubt und dann muss es im selben Zeitraum wie Red Dead Redemption und Super Mario Galaxy 2 veröffentlicht werden? Offensichtlich. Und warum wurde dann nicht ebenfalls aggressives Marketing betrieben? Remedy Entertainment sind als Max Payne-Entwickler zudem ja nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt; allein deren Namen hätte Alan Wake das Zeug zum potentiellen System-Seller gegeben.

Womit ich auch zum letzten Punkt komme, der Exklusivität. Dazu ein kleiner einleitender Vergleich: Das PS3-exklusive MAG: Massive Action Game wurde bis dato 860 000-mal verkauft; das an etwa dieselbe Zielgruppe gerichtete und nur zwei Monate eher erschienene Modern Warfare 2 hat hingegen bislang fast 20 Millionen Käufer auf beiden Konsolen gefunden. Natürlich ist es den Publishern egal, wie viele Exemplare eines Spiels bei der Konkurrenz verscherbelt werden. Aber den Entwicklern doch wohl nicht! Offenbar scheint der Profit durch Exklusivitätsrechte aber größer zu sein als der ungewisse, aus den Verkäufen stammende. Worauf ich damit nun aber eigentlich hinaus will: Die Wahrscheinlichkeit für einen Flop ist wesentlich geringer, wenn das Spiel auf so vielen Plattformen wie möglich erscheint. An dieser Stelle möchte ich aber aufhören, nicht dass ich später noch als Kommunist verschrien werde.

Man sieht aber: Es gibt viele Gründe für den Nichterfolg eines Spiels, sicherlich weit mehr, als ich hier aufführen kann. Vielleicht ist das Survival-Horror-Genre mittlerweile ausgelutscht? Vielleicht gibt es auf der 360 genügend bessere Spiele derselben Machart? Oder vielleicht denken auch viele genauso wie ich und wollen sich Alan Wake irgendwann mal kaufen, wenn es billiger wird…

Bildquelle (nachbearbeitet)

11 Responses to “Life’s a Game: Warum floppt ein Spiel?”


  1. 1 Laosüü 16. Juli 2010 um 20:55

    Ein Glück hat sich jemand mit dieser für den Alltag essentiellen Frage befasst?! Was würden wir nur ohne dich machen?😯
    Mal ganz im Ernst. Wie kamst du denn auf die Idee?😀

    Ansonsten sind alle Argumente für den Flop ordentlich erläutert und können durchaus als relevant betrachtet werden. Gut gemacht. ^^

    P.S. MAG sagt mir überhaupt nichts. Hast du keine Zahlen zu MGS oder God of War gefunden oder hätten diese deine These widerlegt?😉

    • 2 christian 16. Juli 2010 um 21:28

      Was ihr ohne mich machen würdet, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Auf die Idee bin ich aber gekommen, weil ich die Tatsache ziemlich schockierend fand, dass ein Spiel wie Alan Wake sich so mager verkauft hat.

      Ich wollte Spiele vergleichen, die sich einigermaßen ähnlich sind: MAG und MW2 sind beides Egoshooter mit starkem Schwerpunkt auf Multiplayer-Gefechten. Was man wohl weder von MGS noch von GoW behaupten kann😉

  2. 4 DerGraf 16. Juli 2010 um 22:00

    Ich glaube, es ist eine Mischung aus einem endlos hochgetriebenen Hype, der relativ schnell durch zwar gute, aber nicht überragende – und somit dem Hype entgegenlaufende – Wertungen der Magazine abgeflaut ist.
    Das ist zumindest mein Eindruck.

    War das bei Stalker nicht ähnlich? ^^

  3. 5 christian 18. Juli 2010 um 11:04

    @DerGraf
    Stalker wurde aber noch von Millionen raubmordkopierenden PClern gespielt, also wars letztlich doch ein Erfolg:mrgreen:

    @Laosüü
    Kein Ego-Fan? Deine altruistische Ader wusste ich schon immer zu schätzen😉

  4. 7 alhakam23 19. Juli 2010 um 00:16

    Ich selbst werde mir das Spiel auch erst holen, wenns billiger geworden ist. Das gleiche trifft allerdings auch auf „Red Dead Redemption“ zu (in dem Fall werde ich sogar noch geiziger sein und es mir lediglich ausleihen xD)

    Ich denke aber, viele großartige Titel haben heutzutage kaum noch Absatz, einfach weil 60-70 Euro bei Release zu teuer für die meisten Menschen (in der Wirtschaftskrise) sind. War bei Crisis z.B. genau das Gleiche. Wurde nur ca. 1 Mio. Mal verkauft.
    Wie lange hab ich gewartet bis, dass mal reduziert wurde…ich glaube es war mehr als 1 Jahr^^

    Außerdem hab ich mal gelesen, dass durch die zahlreichen MMO’s wie WoW viele Menschen kaum noch andere Games kaufen, da sie schlichtweg mit dem MMO vollends bedient sind.

    Was man allerdings auch machen könnte, wären zusätzliche Inhalte, die nur für kurze Zeit herunterladbar sind. So hat der Käufer den Zwang das Spiel zu kaufen, bevor es reduziert wird.^^
    (Bioware hatte das z.B. bei Dragon Age gemacht und ich glaube bei Mass Effect 2 setzen sie diese Strategie auch ein)

  5. 8 christian 19. Juli 2010 um 14:22

    Zum Preis: Heute gibt es aber wesentlich mehr Wege, auch nah am Release günstig an ein Spiel zu kommen, zum Beispiel über eBay als Import. Aber das weiß oder kann natürlich nicht jeder, und 50 Euro oder mehr wäre ich selbst nie bereit, für ein Spiel auszugeben😯

    Zum DLC: So etwas fände ich extrem unverschämt, man denke nur einmal an die, die ihre Konsole nicht am Internet zu hängen haben. Und mitkriegen würde so was eh wieder nur ein Bruchteil der Käuferschicht, der sich dann am Ende beschwert, weil er für sein Geld weniger bekommen hat. An sich aber vorstellbar, wenn man die Unverschämtheit einiger Hersteller in Sachen DLCs bedenkt…😉

    Bei RDR warte ich übrigens auch noch auf einen Preisfall🙂

  6. 9 spanksen 29. Juli 2010 um 16:28

    Wirklich schade für Alan Wake, habs zwar nur ausgeliehen und konnte es aus zeitlichen Gründen noch nicht beenden, aber bis dato ein wirklich ganz herausragendes Game!!!

    • 10 Paladin Fenris 13. August 2010 um 01:13

      Kann ich so unterschreiben, „Alan Wake“ hat mir jede Menge intensiver Spielstunden beschert. Hätte durchaus länger sein können. Das Wissen, dass „nur“ 6 Episoden (plus zwei Zusatzepisoden als Download) vorhanden sind, macht das Ende absehbarer und wirkt dann insgesamt kürzer als es eigentlich ist. Ich hatte trotzdem das Gefühl gehabt, zu schnell mit dem Spiel fertig geworden zu sein.


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