Pride and Prejudice and Tedium

Ich habe es bezwungen! Heute, am Zinnowitzer Strand liegend, habe ich endlich Jane Austens Pride and Prejudice beendet. Mehr als zwei Monate sind seit der Lektüre der ersten Zeilen ins Land gezogen, drei andere Bücher habe ich in der Zwischenzeit aus Verzweiflung gelesen. Aber nun… Ich fühle mich wie neu geboren!

Was ist mein Problem mit diesem Buch? Diese Frage habe ich mir mehr als einmal gestellt. Die Sprache Austens ist nicht allzu schwer verständlich, dafür etwas schwülstig und plaudernd, was mir bei anderen zeitgenössischen Autoren aber auch ganz gut gefällt. Ich sträube mich fast ein bisschen davor, so etwas zu behaupten, aber Pride and Prejudice ist wohl doch ein absolutes Mädchenbuch: Der stolze Mr Darcy wird für seine liebe Elizabeth Bennet zum zahmen Schoßhund; sie rebelliert gegen ihn, überwindet schließlich ihre Vorurteile – und ganz am Ende sind dann alle glücklich. Und während der ganzen 300 Seiten fliegt nicht einmal etwas in die Luft, wird niemand ermordet, gibt es keine einzige verschämte Liebesszene. Gut, das kann ich alles verzeihen. Aber irgendwas Spannendes hätte doch schon mal passieren können.

Allerdings bin ich nun auch nicht so gefühlskalt, zu behaupten, mir hätte das Geschmalze im Buch zu keiner Zeit gefallen. Eigentlich ist sogar die zögerlich beginnende Romanze zwischen Darcy und Lizzy das einzige, was einen während der Lektüre so halbwegs am Leben hält (abgesehen von den ironischen Kommentaren Mr Bennets, dem das alles auch irgendwie auf den Geist zu gehen scheint). Alle anderen Figuren sind ziemlich einfach und klischeehaft gezeichnet und geben keinen Blick in ihr Innenleben frei, was von Miss Austen sicherlich auch so beabsichtigt ist. Elizabeths Gefühlsleben wird dem Leser durch die interne Fokalisierung auf sie zuteil, über Darcy erfährt er nur nach und nach etwas – zunächst durch sein Auftreten, später durch Erzählungen anderer, und schließlich von ihm selbst. An und für sich also eine recht durchdachte Romanstruktur, die man aber erst in dem Augenblick zu schätzen weiß, in dem man das Wort FINIS gelesen hat.

Erst 80 Seiten waren geschafft, als ich vor anderthalb Wochen wieder zum Buch griff, also müssen mich die restlichen zwei Drittel des Buches doch zumindest ein wenig gefesselt haben. Ich bereue es auch nicht, Pride and Prejudice gelesen zu haben – manche Bücher (gerade Klassiker) müssen einfach langweilen. Zudem ist es peinlich für einen angehenden Anglisten, quasi das Standardwerk der englischen Literatur nicht gelesen zu haben. Vielleicht seh ich mir demnächst noch eine der Dutzenden Verfilmungen des Stoffes an, danach möchte ich aber nie wieder etwas davon hören.

18 Responses to “Pride and Prejudice and Tedium”


  1. 1 Laosüü 22. Juli 2010 um 10:12

    Und was ist jetz mit „Pride and Prejudice“ in der Zombieversion? Oder zählt das nicht mit?😀

    P.S. Wie langweilig muss einem eigentlich an einem Strand sein, dass man es auch nur in Erwägung zieht, dort dieses Buch zu lesen?😉

  2. 2 Dr. Borstel 22. Juli 2010 um 11:43

    Wollte ich auch gerade erwähnen. „Pride and Prejudice and Zombies“, anyone?😉

  3. 3 Mia 22. Juli 2010 um 12:19

    Ich muss mal eben diesen Pinguin erwähnen. Der ist wirklich zuckersüß.
    Als ich vor kurzem die englische Abteilung einer Buchhandlung durchstöberte, habe ich auch kurz überlegt, mir Jane Austen zu kaufen. Hängen geblieben bin ich dann allerdings doch an einem dänischen Thriller.

  4. 4 christian 22. Juli 2010 um 22:00

    @Laosüü & Borstel
    Hatte ich ja eigentlich vor, aber mittlerweile hab ich nicht mal mehr darauf Lust. Zumal ich vermute, dass es eh nur darauf hinausläuft, jedes „love“ durch „kill“ und jedes „husband“ oder „wife“ durch „zombie“ zu ersetzen😉

    @Mia
    Womöglich die bessere Wahl😉

  5. 5 Dos Corazones 23. Juli 2010 um 00:04

    Puh, zum Glück musste ich das Buch bisher nicht lesen und werde es auch bis zum Abitur nicht lesen müssen. Die paar Verfilmungen, die ich leidlich miterlebt habe, reichten auch vollkommen aus😉

  6. 6 DerGraf 23. Juli 2010 um 01:30

    Hatte ja mal Sinn und Sinnlichkeit angefangen. Habe dann irgendwann entschieden, dass mir der Film eigentlich schon gereicht hat🙂

  7. 7 christian 23. Juli 2010 um 18:26

    @DC
    Ja, wirklich, belass es bei denen🙂

    @DerGraf
    Sehr gute Einstellung!🙂

  8. 8 Julia 6. August 2010 um 13:22

    „Never judge a book by its movie“ sag ich nur.😉 Die Verfilmungen sind bei Austen ja nun wirklich keine Option, um auf den Geschmack zu kommen. Da wird selbst mir als Austen-Schätzer schlecht vor Kitsch und Zucker.

    Kein Problem, dass Dir Austen nix sagt – aber wieso ist alles was eine „Liebesgeschichte“ beinhaltet (abgesehen davon, dass hier doch deutlich mehr drinsteckt) gleich „Mädchenbuch“?

    Was mich noch wundert: Im Vergleich zu grob zeitgenössischen Autoren ähnlichen Genres (also z.B. Burney, Radcliffe, Fielding, Johnson) ist Austen doch geradezu unterkühlt und vorallem: erfrischend knapp und auf den Punkt. Oder an wen hattest Du gedacht bei „schwülstig, plaudernd“?

    • 9 christian 6. August 2010 um 14:18

      Okay, mit dem Mädchenbuch hab ich sicherlich ein Rollenklischee bedient. Dass ich es letztlich doch relativ geradlinig durchgelesen habe, bestätigt wohl, dass ich (als Nicht-Mädchen) doch noch etwas an der Geschichte gefunden haben muss. Als auf den Punkt habe ich Austens Stil aber nicht gerade empfunden. Gerade in der direkten Rede quasseln ihre Figuren sehr, SEHR um den heißen Brei, was sicherlich die Diskurs-Konventionen ihrer Zeit widerspiegelt, mir aber nach einer Weile gehörig auf die Nerven ging. Alles ganz subjektiv eben🙂 Als Vergleiche hatte ich übrigens eher deutsche und amerikanische Romantiker im Kopf (ich gebe zu, das ist nicht gerade geschickt), da ich die englischen bisher großenteils ausgeklammert habe, von Shelleys Frankenstein mal abgesehen, was ich ebenfalls als sehr anstrengend empfand.

      Aber ich danke dir für deinen kritischen Kommentar, im Nachhinein musste ich meine Meinung zum Buch tatsächlich nochmal etwas relativieren😉

  9. 10 Damian 10. August 2010 um 13:33

    Keine Explosionen? Keine Morde? Und wahrscheinlich keine einzige Szene mit Batman? Und sowas wurde veröffentlicht? Ich bin entsetzt und entrüstet zugleich.

  10. 12 Dr. Borstel 10. August 2010 um 15:35

    Was los, Sommerloch? Hab schon lange keinen Blogeintrag mehr hier gelesen. Sehr verdächtig, weil der Laosüü auch nichts bloggt. Was meine Ein-Blogger-zwei-Persönlichkeiten-These untermauert.😉

    • 13 christian 10. August 2010 um 15:42

      Herr Laosüü muss arbeiten und ich stecke in einem finsteren Loch der Lustlosigkeit. Heute hatte ich schon einen neuen Post angefangen, aber dann… nein😐

      • 14 Sephix 11. August 2010 um 17:33

        Dafür sollte man dich eigentlich mehrmals schlagen und danach quer am Bein durch die Stadt schleifen! Einfach den Blog so versauern zu lassen… Eine Frechheit. Wenn das deine Eltern wüssten!

        • 15 christian 11. August 2010 um 18:45

          Diesen Druck halt ich nicht mehr aus! *aus dem Fenster spring*

          • 16 Sephix 11. August 2010 um 23:00

            Jetzt machst du auch noch den Reinigungskräften Arbeit… Gibt es eigentlich irgendetwas vor dem du Respekt hast? Unfassbar, unfassbar, unfassbar… Melden sollte man dich. Hörst du? MELDEN! Egal bei wem. Von mir aus beim Tigerentenclub, Hauptsache irgendjemand tut was.

          • 17 christian 12. August 2010 um 00:05

            Zufällig habe ich just in dem Moment, in dem du mich hier zum WIEDERHOLTEN MALE diffamiert hast, an einem Blogpost geschraubt, der mit etwas Eins-Null-Power schon in deinem/eurem/meinem Feedreader gelandet ist. Du Tigerente. So.

          • 18 Sephix 12. August 2010 um 00:25

            Da siehst du mal, dass es funktioniert😉 *lesen geht*


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