Nachtangst

Aus einem eher objektiven Blickwinkel betrachtet, müsste man Alan Wake tatsächlich beinahe als durchschnittlich bewerten: Das Spiel ist verhältnismäßig kurz, sehr linear und grafisch mit seinen hakeligen Animationen, dem Kantenflimmern und den matschigen Texturen nicht immer auf der Höhe der Zeit. All das fällt sogar noch schwerer ins Gewicht, wenn man bedenkt, dass sich das Spiel seit Jahren in der Entwicklung befindet. Dennoch: Ich bin schwer beeindruckt!

Alan Wake vereint beinahe alle Elemente, die ich an Games liebe. Es ist zunächst einmal ein Action-Adventure mit hohem Erkundungsgrad und eher rar gesäten Gefechten aus der 3rd Person-Sicht, die für mich immer noch die Königin unter den Perspektiven ist, weit vor der inflationär gebrauchten 1st Person. Außerdem bietet Wake eine der dichtesten Atmosphären, die ich je in einem Videospiel genießen durfte – bedingt durch die stark ambivalente Story und den detailreichen Mythos, den die Entwickler um das Örtchen Bright Falls geschaffen haben. Die vielen Anklänge an Lost – ganz egal ob bewusst oder zufällig – erfreuen zudem mein Fanboy-Herz. Und auch wenn die Framerate gerade bei (Ingame-)Tageslicht ziemlich instabil ist und einem besonders da die ganz und gar nicht hochaufgelösten Oberflächen und unscharfen Konturen auffallen – größtenteils spielt man ja eh bei Nacht und da beeindruckt die Technik hinter Alan Wake doch, wenn nämlich jeder Zweig, jedes Blatt, jeder Kiesel im Licht der Taschenlampe nervös flackernde Schatten wirft. In solchen Momenten ist mir schon mal das Herz in die Hose gerutscht, sogar ein virtueller Wald ist im Dunkeln gruselig.

Teilweise inkonsequent

Ebenfalls gelungen ist auch das Ende des Spiels – SPOILER AHEAD! –, das nämlich wieder in bester Lost-Manier sehr undurchsichtig ist und den Spieler mit einem dicken WTF?! auf den Lippen zurücklässt. Vor allem die Passage auf dem Grund des Sees, in der Gegenstände zunächst nur als Ideen existieren, hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich glaube, Über-Semiotiker de Saussure hätte diesen Abschnitt gern gespielt.

Als nächstes wartet jetzt die erste Zusatzepisode auf mich, deren Code ja netterweise dem Spiel beiliegt (DLC, der nach dem Fertigstellen des Hauptspiels entsteht, ist guter DLC). Zusammenfassend bleibt demnach nur zu sagen, dass Alan Wake trotz seiner Schwächen ein ziemliches Leuchtfeuer unter den eintönigen 360-Exklusivtiteln ist. Und dass ich unbedingt einen Nachfolger haben will, der nur kommt, wenn ihr alle das Spiel kauft. Jetzt!

Bildquelle: ign.com (© Microsoft Game Studios; nachbearbeitet)

8 Responses to “Nachtangst”


  1. 1 spanksen 25. August 2010 um 18:43

    Wirklich großartiges Spiel, welches ich aus Zeitmangel leider immer noch nicht durchgespielt habe. Werde nochmal von vorne anfangen und es dann konsequenter durchziehen

  2. 3 DerGraf 25. August 2010 um 20:36

    Hmm… ich spiel ja in letzter Zeit lieber kürzere Spiele. Kann man dann nämlich relativ günstig für zwei Tage in ner Videothek ausleihen.😀
    Wenn meine 360 repariert ist (und wenn ich sie überhaupt mal zur Reperatur geschickt habe), wird’s ausgeliehen.

  3. 5 Damian 27. August 2010 um 15:49

    Boah ich LIEBE Allan Wake. Ich war platt. Ich habe es jedem im Umkreis von 100km vorgeführt und komischerweise viel Skepsis gegenüber dem Spiel bemerkt.
    Und bitte nicht zu sehr mit Lost vergleichen.🙂 Wenn, dann mit Twin Peaks. Wovon sich auch Lost ein bisschen inspirieren liess.

    • 6 christian 27. August 2010 um 16:19

      I dunno, Twin Peaks hab ich nie gesehen. Zum Lost-Vergleich hat mich auch mehr dieses charakteristische Wechselspiel von schwarz und weiß, böse und gut bewegt. Und vor allem die Geräusche, die die Dark Presence macht und die Art, wie sie sich manchmal manifestiert – schwarzes Rauchmonster anyone?😉

  4. 7 Laosüü 28. August 2010 um 13:20

    Wenn er nicht mit Philosophen um sich wirft, dann eben mit Sprachwissenschaftlern. =P

    Du hast vergessen zu erwähnen, dass Alan Wake auch das Wetter im Real Lief beeinflussen kann.😀

    • 8 christian 30. August 2010 um 22:38

      … oder mich zumindest so sehr in seinen Bann gezogen hat, dass ich erst auf halbem Weg Richtung RL-Haustür bemerkt habe, dass ich gar nicht mehr zocke. Consider my mind blown🙂


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